Im Kino In der Midlife-Crisis nach Los Angeles

Greenberg (USA): Comedy-Star Ben Stiller kann auch ernster: Als eigensinniger 40-Jähriger kehrt er in seine Heimatstadt L. A. zurück.
Irgendwie verknallt: Greenberg (Ben Stiller) und Florence (Greta Gerwig)
© Focus Features Irgendwie verknallt: Greenberg (Ben Stiller) und Florence (Greta Gerwig)

Roger Greenberg (Ben Stiller) ist ein komischer Kauz – findet sein Bruder. Dennoch überlässt er dem New Yorker für zwei Monate sein stattliches Haus mit Pool in Los Angeles, während er mit seiner Familie Urlaub in Vietnam macht. Für den Möbelschreiner eine willkommene Abwechslung. Seine Nerven sind angeschlagen, und so will er im Moment am liebsten nichts tun. Kein Problem: Das übernehmen die anderen für ihn!

So lernt er gleich am ersten Tag die hübsche Nanny Florence (Greta Gerwig) kennen, mit der er bald im Bett landet. Die ehemaligen Bandkumpels aus L. A. schwirren ebenfalls um den leicht neurotischen und etwas eigensinnigen 40-Jährigen herum. Er wird zu Partys und Vernissagen eingeladen, trifft seine grosse Jugendliebe Beth (Jennifer Jason Leigh) wieder. Doch der charmante Kerl eckt irgendwie überall an.

Mit «Greenberg» ist dem ebenfalls 40-jährigen «König des amerikanischen Independent-Kinos», Noah Baumbach, eine feine Komödie mit melancholischer Note gelungen. Comedy-Star Ben Stiller beweist darin, dass er auch ernstere Rollen spielen kann, ohne gleich in übertriebene Schwermut zu versinken. Woody Allen light könnte man das nennen.

Der Film gehört zu den sogenannten «character-driven movies», in denen die Figuren und nicht die Handlungsstränge im Vordergrund stehen. Umso mehr sind dabei gute Dialoge und starke Schauspieler gefragt. Baumbach, der bereits mit dem Überraschungserfolg «The Squid and the Whale» vor fünf Jahren gezeigt hatte, wie dies ohne Spannungsverlust geht, reüssiert auch dieses Mal. Er kreiert zudem jene Stimmung perfekt, die in urbanen Künstlerkreisen herrscht, wenn sie von der Midlife-Crisis infiziert werden. Und mittendrin Greenberg, der dieses Milieu voll auskostet.
 

Deshalb ist der Film zu empfehlen

  • Man lernt den Komiker Ben Stiller von einer anderen Seite kennen.
  • Der Film entwickelt auch ohne spannende Geschichte einen starken Sog.
  • Das Gesellschaftsporträt hat viel Witz und beobachterische Tiefe.

Länge: 107 Min., Regie: Noah Baumbach, D: B. Stiller, J. J. Leigh, G. Gerwig. Start: 1. 4.
 

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