Im Kino Der Sex-Guru mit den 93 Rolls-Royce

«Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard» (CH) Ein Schweizer Regie-Duo drehte einen Film über den Guru Shree Rajneesh.
Wollen ein höheres Bewusstsein erlangen: die Neo-Sannyasins in Poona.
Wollen ein höheres Bewusstsein erlangen: die Neo-Sannyasins in Poona.

Am Anfang schien alles ganz friedlich. Die in Amerika lebende Sheela Silverman und der Schotte Hugh Milne werden Anhänger der Neo-Sannyasin-Bewegung, die sie in den Ashram des indischen Gurus Bhagwan Shree Rajneesh führt. Sannyasin, eine spirituelle Lebensart, in deren Zentrum die völlige Besitzlosigkeit steht, zieht in den 70er-Jahren Tausende von Westlern ihn ihren Bann und nach Indien. Sheela wird die persönliche Sekretärin und Milne der Bodyguard von Rajneesh, der auch die freie Liebe propagiert. Als die Kommune Anfang der 80er-Jahre von Indien in die USA übersiedelt, beginnen sich die Dinge allmählich zuzuspitzen: Der Guru, der zeitweise 93 Rolls-Royce besitzt, vermittelt eine immer totalitärer werdende Gesinnung. In seiner Gemeinschaft kommt es zu Gewalt, und die US-Behörden beginnen mit Ermittlungen gegen die Bewegung. Hugh zieht sich daraufhin von den Sannyasins zurück. Auch Sheela tritt aus der Kommune aus - und kommt sogar ins Gefängnis.

Das Schweizer Regie-Duo Sabine Gisiger («Gambit») und Beat Häner lässt in seinem Dokumentarfilm «Guru - Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard» die beiden ehemaligen Rajneesh-Getreuen Sheela und Hugh ihre Geschichte erzählen. Mit viel Archivmaterial rekonstruieren die Filmer vor allem auch jene Zeit, als der Guru mit seiner Gefolgschaft in die USA zog. In diesem Teil erlebt der auch sonst gelungene Film seine besten Einstellungen. Die neue Stadt wird mitten in der unberührten Landschaft im US-Staat Oregon aufgebaut. Während die Neo-Sannyasins schuften, fährt auf einer eben fertig gestellten Strasse der Guru in seinem Rolls-Royce ein. Zynischer geht es nicht mehr. Der Film beginnt gemächlich, entwickelt sich aber immer mehr zu einem spannenden, überraschenden Streifen mit vielen Facetten.

Das macht den Film aus

  • Er fasziniert immer wieder mit überraschendem und präzisem Archivmaterial.
  • Er ist kritisch, aber - auch dank den Protagonisten - nicht zu polemisch.
  • Der 70er-Rausch ist gut aufgefangen und mit der nötigen Distanz analysiert.

L: 98 Min., R: S. Gisiger, B. Häner, D: Sheela Silverman, Hugh Milne. Start: 29.4.

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