Stefan à Wengen Der (Un-) Heimliche

Seine Werke wirken bedrohlich, beklemmend, sie bleiben im Gedächtnis haften. In Luzern wird das Werk von Stefan à Wengen erstmals in einem Museum gezeigt.
Der Basler Künstler Stefan à Wengen zeigt sein Werk «Tondo», 2006.
© Fabienne Bühler Der Basler Künstler Stefan à Wengen zeigt sein Werk «Tondo», 2006.

Beide zeigen Zähne. Doch der Kontrast könnte nicht grösser sein: So sympathisch und offen das Lachen des Künstlers, so abgründig sein Werk «Tondo». Stefan à Wengen, 46, sieht darin keinen Widerspruch. «Jeder hat doch eine dunkle Seite. Ich lebe sie eben in meinen Bildern aus.» Ausgehend vom Fremden, Unheimlichen drehen sich seine Arbeiten um den Kernpunkt der Furcht. Wie beim folgenden Werk: Schmutzig-gelbes Licht dringt durch das Fenster in ein karges, dunkles Zimmer. Ein Bett, auf dessen eisernem Lattenrost eine Tasche steht. Was da wohl drin ist? Wer die wohl vergessen hat? Der kurze Blick auf den Titel «Folterraum» lässt im Betrachter das pure Grauen der möglichen Antworten aufsteigen.

Geschickt wie ein erfahrener Krimiautor oder ein Regisseur von Horrorfilmen spielt der Basler mit Symbolen, Klischees und der Lust am Gruseln. Die Abwesenheit jeglichen Lebens gemixt mit unheilschwangeren Farben wecken den Eindruck, als stünde ein Unglück unmittelbar bevor. Oder ist es bereits geschehen? Die Handlung findet ausserhalb des Bildes statt. «Das Grauen liegt im Auge des Betrachters», sagt à Wengen augenzwinkernd. Dieser bestimme nämlich, wie die Geschichte auf dem Bild ausgeht. Der Künstler stelle nur den Ort des möglichen Geschehens zur Verfügung.

Seit den 90er-Jahren beschäftigt sich der in Düsseldorf lebende Stefan à Wengen mit dem Unheimlichen. Zuvor in seiner Heimatstadt Basel zum Grafiker ausgebildet, verbringt er im New Yorker Atelier von John M. Armleder, mit dem er befreundet ist, einige Monate. Er versucht sich an abstrakten, geometrischen Bildern. «Doch das war nicht der richtige Weg für mich.» Anschliessend beginnt à Wengen, fasziniert von Zeichen und Symbolen, Piktogramme und Fotografien aus Zeitungen und Magazinen als Grundlage für seine Bilder zu sammeln. 1994 entsteht mit «Hirschen» sein erstes gegenständliches Bild. Dieser Arbeitsprozess hat sich bis heute nicht wesentlich verändert.

Im Jahr 2000 macht er mit einer Serie von Baumhäusern (siehe Bild) anlässlich der eidgenössischen Swiss-Award-Ausstellung von sich reden. In der Werkgruppe «Mission» thematisiert der Künstler, dessen Name übrigens kein Pseudonym ist, sondern zu einem alten Basler Geschlecht gehört, den Clash der Kulturen. Stefan à Wengen brachte von drei Reisen nach Papua-Neuguinea, die er mit einem befreundeten Ethnologen unternahm, umfassendes Fotomaterial mit. Den Pfahlbauten in düster unheilschwangeren Farben stellte er in seinen Bildern Skulpturen von Hans Arp zur Seite. «Ich habe sie in jenen Kontext zurückgebracht, aus dem die Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Inspiration schöpften.»

Ist das Böse sichtbar? Dieser Frage widmen sich schliesslich die «49 Geisterportraits» aus dem Jahre 2005. À Wengen hat die Augen von Diktatoren wie Pol Pot, Stalin oder Hitler isoliert und in die Portraits von 15 gewöhnlichen Männern eingesetzt, die er bei einer Bilddatenbank bezog. Aus jedermann kann so ein Bösewicht werden. Die dämonische Dimension ist jedoch nicht sichtbar: Und das ist das wahre Grauen.

Kunstmuseum LUZERN
Telefon 041 226 78 00
Bis 1. August 2010
Di, Mi 10–20, Do–So 10–18 Uhr
 

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