Der Videokünstler Peter Aerschmann Auf digitaler Durchreise

Der Berner Videokünstler Peter Aerschmann nimmt uns in seiner Ausstellung «Transit» mit auf Reisen in eine virtuelle Welt.
Peter Aerschmann
© Monika Flückiger

Im Fokus. Peter Aerschmann in seinem Berner Atelier. Die Videokamera aus Draht stammt von einem Markt in Südafrika.

Schaut Peter Aerschmann, 45, aus seinem Atelierfenster, blickt er direkt auf den Berner Waisenhausplatz. Frauen mit Kinderwagen kreuzen Touristen aus China, Rentner halten ein Schwätzchen, ein Lieferant lädt Waren aus, Schüler machen auf einem Bänkchen Mittagspause. Ideale Arbeitsbedingungen für den Videokünstler, denn jede dieser Personen könnte für ihn zu einer Figur in seinem nächsten Werk werden. Doch auch wenn ihm all diese Sujets quasi zu Füssen liegen, am liebsten geht Peter Aerschmann in die weite Welt und sammelt sein Arbeitsmaterial auf seinen zahlreichen Reisen zusammen.

Aus Fotografien und Filmsequenzen alltäglicher Situationen im öffentlichen Raum basiert dann auch sein schier unerschöpfliches digitales Bildarchiv. Die gesammelten Bilder werden zerlegt, Menschen, Tiere, Häuser, Pflanzen, Objekte per Computer ausgeschnitten und anschliessend neu zusammengesetzt. «Ich sauge alles auf, was mir in meiner unmittelbaren Nähe begegnet und baue mir damit eine eigene Welt.» Es entstehen surreale Wirklichkeiten, die sowohl dokumentarisch wie auch fiktiv sind, zwar einer künstlerischen Idee zugrunde liegen und doch ein plausibles Abbild unserer aktuellen Realität sind.

So finden sich auf «Street Nr. 4» (Bild rechts unten) Menschen aus aller Herren Länder, einige sommerlich gekleidet, andere dick eingepackt, von Verkehrsschildern umgeleitet und in Schranken gewiesen. In einem anderen Werk steht eine verschleierte Muslima aus Alexandria schwer bewaffneten Polizisten aus New York gegenüber. Mit solch fiktiven Zusammentreffen thematisiert Peter Aerschmann eingängig und mit einer Prise Humor gesellschaftliche, politische und kulturelle Spannungen unserer Zeit. Die meisten Videos laufen im endlosen Loop und kommen ohne Ton aus – was die Wirkung der oft absurd anmutenden Situationen noch potenziert.

Kunsthaus Grenchen
SO Bis 17. 5., Mi–Sa 14–17, So 11–17 Uhr, Tel. 032 652 50 22, Publikation CHF 15.–, www.kunsthausgrenchen.ch

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