Fiorenza Bassetti Der Weg führt nach oben

Die Tessiner Künstlerin reitet zurzeit auf der ERFOLGSWELLE. Fiorenza Bassetti werden in ihrem Heimatkanton gleich zwei Ausstellungen gewidmet.
920 Mal hat die Tessiner Konzeptkünstlerin die Gladiole gemalt.
© Alessandro Crinari 920 Mal hat die Tessiner Konzeptkünstlerin die Gladiole gemalt.

Es läuft alles wie am Schnürchen: Die Auswahl wurde getroffen, die Ausstellungen sind aufgebaut, der monografische Katalog ist soeben erschienen. Fiorenza Bassetti, 61, kann die Gladiole getrost in die Luft werfen und ihre Freude kundtun. Die Blume, die wie ein Schwert aussieht (gladius heisst auf Lateinisch Schwert) diente der Künstlerin während fast zwei Jahrzehnten als Inspirationsquelle. Fasziniert vom leuchtenden Rot der eleganten Blüten und vom Wuchs der Pflanze – mal gerade wie ein Stock, mal geschmeidig wie Schilf im Wasser – stellt Fiorenza Bassetti diese immer wieder dar. Bis zu 920 Mal. Auf Leinwand und Papier. Mit Ölfarben und - kreide, Gouache und Acryl, mit Tusche. Realistisch oder abstrakt. Wo der Pinsel ihren Anforderungen nicht genügt, legt sie Hand an. Diese mit den Fingern gemalten Bilder sind besonders stark. Die Tessinerin, die sich als Perfektionistin bezeichnet, lässt sich auch von Emotionen leiten.

Kontrolliertes Arbeiten lernt Fiorenza Bassetti früh, denn sie entscheidet sich für die Druckgrafik. Ab 1970, nach Abschluss des Lehrerseminars, besucht sie in den Sommerferien Kurse, in denen sie die Technik des Kupferdruckes erlernt und vertieft: in Urbino, Paris, Rom, Venedig. In der italienischen Hauptstadt schreibt sie sich 1971 an der Accademia di Belle Arti ein, zwei Jahre später in Mailand, in Brera, erlangt sie das Diplom als Malerin.

1977 wird ein wichtiges Jahr: Ihr Künstlerkollege Tsunezo Muto kauft ihr in Japan eine Nikomat EL, mit der die Künstlerin noch heute fotografiert. In den letzten 30 Jahren ist so ein stattliches Œuvre zusammengekommen. «Ich mache ausschliesslich Porträtaufnahmen, und zwar nur von Personen, die mir künstlerisch wie menschlich gefallen. Ich liebe es, sie in ihrer Umgebung zu besuchen oder ihre Ateliers zu entdecken.» 80 Schwarz-Weiss-Fotografien sind im Museo Cantonale d’Arte di Lugano zu entdecken: Maler, Wissenschaftler, Politiker, Fotografen. Michail Gorbatschow, Topor, Gisèle Freund, Ernst Scheidegger. Und zahlreiche Selbstbildnisse. Sehr schön auch eine Serie, die der Mutter gewidmet ist.

In Fiorenza Bassettis haselnussbraunen Augen blitzt Schalk auf. Ihr roter Mund ist ihr Markenzeichen, die Haare leuchten hennafarben. Sie wirkt viel jünger, als sie tatsächlich ist. Was sich auch in ihren Werke spiegelt. Die immerwährende Neugier auf neue Materialien und Malmethoden bringt sie 1987 nach Chicago, wo sie intensiv mit den Möglichkeiten des Computers experimentiert. Das Jahr in Amerika wirkt wie ein Katalysator. Vom kleinen Format wechselt die in Bellinzona geborene Konzept-Künstlerin zu grösseren Bildern. A4-Blätter werden aneinandergefügt, drei oder vier Reihen mit je zehn Blättern. «Eine Lösung, um meine Werke unbeschadet transportieren zu können.» Es entstehen grosse Zyklen wie «Gladio – Gladiolo», «Melagrana – Granata», «Donna di Venezia», «Flowerbomb». Und es folgen Ausstellungen und Auszeichnungen. Fiorenza Bassetti hört nicht auf zu reisen. China, Japan, Kalifornien, Israel, Ägypten, Brasilien … Seit 1990 lebt sie zusammen mit ihrem Mann, dem Physiker Philippe Jetzer, in Zürich.

Im Museum Vincenzo Vela in Ligornetto TI werden nur Bilder aus der «Gladio – Gladiolo»-Serie ausgestellt. Zarte Malerei kontrastiert mit gestisch starken Bildern. Rot in allen Nuancen. Ganz neu und für die Ausstellung konzipiert: drei Leinwände und eine «unendliche» Säule. Alles in Nacrée-Farben: blass schimmerndes Rot, das sich dem Betrachter nur von einem bestimmten Winkel her offenbart. Alchemistische Experimente einer reifen Künstlerin.

MUSEO VINCENZO VELA, Ligornetto TI
Ausstellung bis 15. August 2010
Di – Sa 10.00 – 17.99 Uhr, So 18.00 Uhr
Telefon 091 640 70 40

MUSEO CANTONALE D’ARTE, Lugano
Ausstellung bis 15. August 2010
Di 14.00 –17.00 Uhr, Mi – So ab 10.00 Uhr
Telefon 091 910 47 80
Monografie kostet CHF 50.–

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