Kunsthaus Langenthal «Amitiés» Dicht beinander: Freundschaft und Kunst

Der Berner Möbeldesigner Teo Jakob sammelte Kunst von Eva Aeppli über Meret Oppenheim bis Markus Raetz und Urs Lüthi.
«Stuhl» von Meret Oppenheim
«Stuhl» von Meret Oppenheim

Sie sind aus Schoggi, Kirschen oder gar Beton. Drei Möbel, genauer: drei Stühle. Doch Vorsicht: Nicht einer eignet sich zum Ausruhen. Der eine schmilzt einem unter dem Hintern weg. Der andere steht auf süssen, aber wackeligen Beinen. Der dritte hingegen ist pickelhart: Stefan Zwickys «Grand confort, sans confort» ist eine 1:1-Replik von Le Corbusiers Designklassiker «Grand Confort» – allerdings in Stahl und Beton.  Der wuchtige Sessel ist ein Symbol der Verbindung zwischen Möbeldesign und Kunstobjekt, die der Sammlung Teo Jakob zugrunde liegt. Deshalb steht er gleich am Eingang
zur aktuellen Ausstellung «Amitiés» im Kunsthaus Langenthal.

Als der Berner Teo Jakob (1923–2000) 1950 das Polstergeschäft von seinem Vater übernahm, zeigte er rasch ein besonderes Gespür für Form und Linie. Doch der junge Designer hatte nicht nur ein Auge für schöne Tische und Stühle. Er liebte auch die freien Künste. Zufällig führte der legendäre Kunstsammler Toni Gerber (1932–2010) führte viele Jahre seine wegweisende Galerie im gleichen Gebäude, in dem sich Jakobs Ladenräume und seine Wohnung befanden. So kam der junge Designer mit der in den 60er- und 70er-Jahren pulsierenden Berner Kunstszene in Kontakt und schloss mit vielen Kunstschaffenden Freundschaft.

Beim Aufbau seiner hochkarätigen Sammlung liess er sich von der Leidenschaft für das Schöne leiten und beschränkte sich nicht auf einen bestimmten Stil. Im Lauf der Jahre kamen so rund 400 Werke zusammen, hauptsächlich solche von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Jakob freundschaftlich verbunden war. «Manchmal tauschte er auch ein Möbel gegen ein Kunstwerk, zum Beispiel ein Bett gegen ein Bild», sagt Eveline Suter, Kuratorin der Ausstellung im Kunsthaus Langenthal.

61 Arbeiten von 31 Künstlern sind zu sehen, darunter Schang Hutter, Bernhard Luginbühl, Eva Aeppli, Franz Gertsch, Urs Lüthi oder Rolf Iseli. Die Bilder, Skulpturen und Objekte stammen aus der Zeit zwischen 1938 und 2006 und vermitteln einen interessanten Blick auf schweizerisches Kunstschaffen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Seit Teo Jakobs Tod im Jahre 2000 führt die 1999 gegründete gleichnamige Stiftung die Sammlung fort. Zu den jüngsten Ankäufen zählen Bilder von Chantal Michel, die 2006 im Hotel Bürgenstock entstanden.


Kunsthaus LANGENTHAL BE Bis 7. 3. Mi/Do 14–17 Uhr, Fr 14–19 Uhr, Sa/So 10–17 Uhr, Tel. 062 - 922 60 55, www.kunsthauslangenthal.ch

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