Kotscha Reist in Bern Der fabulierende Maler

Kotscha Reist ist ein Geschichtenerzähler mit Mut zur Leere. Seine Arbeiten pendeln zwischen Abstraktion und Figürlichkeit.
Koscha Reist
© Willy Spiller

Klare Formensprache: Der Berner Künstler Kotscha Reist, 52, in seinem Atelier.

Von künstlerischem Chaos keine Spur. An den Wänden die fertigen Bilder, bereit für den Transport in die aktuelle Ausstellung. In der Mitte des grossen Raumes in einer ehemaligen Berner Spinnerei stehen ein alter Stuhl, ein Rollwagen mit Pinseln, einigen Farbtuben, sonst nichts. Kotscha Reists Atelier wirkt so aufgeräumt wie seine Bilder. Der Berner Maler hat ein Faible für Leere. Doch sind die Leerstellen wohldosiert und bewusst gesetzt. Die Dialektik von Präsenz und Absenz zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk.

Kotscha Reist sucht nach einer neuen Räumlichkeit und stellt sich Fragen wie: Kann man den Raum noch sehen, wenn er ganz flach ist? Er will weg vom Übereinander, hin zum Nebeneinander. So malt er weder zuerst das Sujet und dann den Hintergrund noch umgekehrt. Der Künstler lässt dort Leerraum, wo später eine Person, ein Buch, ein Baum hinsoll. Dadurch entstehen kleine, aber bei aufmerksamer Betrachtung wirkungsvolle Irritationen. Wie beim Werk «Bekanntmachung». Es zeigt einen Waldrand am Meer oder an einem See, an dessen Baumstämmen, die wie losgelöst in der Landschaft stehen, weisse Zettel hängen. Was hier geschrieben steht, muss sich der Betrachter selbst ausdenken. «Ich bin ein fabulierender Maler mit einem Hang zur Suggestion», sagt Reist.

Sein Werk bewegt sich zwischen Abstraktion und Figürlichkeit. Bäume, Tiere, aber auch Architektur sind wiederkehrende Motive. Interessant: Viele seiner Bilder gehen zurück auf ein Wort, einen Ausdruck, den er irgendwo gelesen hat. «Ich brauche etwas Verbales, um ein Bild zu konstruieren.» Seine Vorliebe für Wortmalerei zeigt sich auch im Titel der aktuellen Schau: «Malerei ist ein alter Hut; aber manchmal sitzt dieser einfach besser».

Galerie Bernhard Bischoff & Partner Bern
Bis 4. 7. Mi–Fr 14–18, Sa 12–16 Uhr, Tel. 031 312 06 66, www.bernhardbischoff.ch

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