Druckgrafik aus Japan Die Kabuki-Drucke

Das traditionelle Kabuki-Theater verdankt seinen Ruhm farbenfrohen Druckgrafiken – einer Art japanischer Panini-Bildchen des 18. Jahrhunderts.
Schauspieler Bando Takesaburo
© HO

Schauspieler Bando Takesaburo, Druck von Utagawa Kunisada.

Grimmige Gesichter, imposante Posen, dramatische Gesten – die Helden des japanischen Kabuki-Theaters sind für ihre expressive und dynamische Schauspielkunst berühmt. Das Cabinet d’arts graphiques des Genfer Kunstmuseums zeigt in der Ausstellung «Le geste suspendu» Impressionen dieser aus dem 18. Jahrhundert stammenden und bis heute beliebten Kunstform.

Der Erfolg des traditionellen Theaters basiert auf der massenhaften Produktion von Druckgrafiken im 18. Jahrhundert. Hauptsächlich in Edo (dem heutigen Tokio) und Osaka wurden Schauspieler vergöttert. Das daraus entstandene Bedürfnis nach aktuellen Abbildern der angesagtesten Bühnenstars machten sich findige Handwerker zunutze. Sie produzierten kunstvolle Druckgrafiken in leuchtenden Farben, mit aufwendigem Prägedruck und ganz von Hand gestaltet. Durch den Personenkult und die schrittweise Öffnung Japans stieg die Nachfrage nach den «Panini-Bildchen» stark an. Sie wurden gesammelt, getauscht, in Alben oder auf Fächer geklebt. Kostbare Varianten wurden zu Festtagen oder Namensfeiern versendet. Zu Beginn der Ausstellung in Genf werden zwei grossformatige Gemälde präsentiert, die als Werbetafeln an der Fassade von Theatern angebracht wurden. Im Gegensatz zu den folgenden Druckgrafiken sind hier mehrere Szenen aus dem Stück abgebildet, auch Bühnenbild oder Landschaften sind zu sehen. Es folgen farbenfrohe Porträts berühmter Schauspieler. Ob in einer wichtigen Rolle, in einer Landschaft, auf dem Schlachtfeld oder in einer märchenhaften Umgebung – zu erkennen sind die Personen, ausschliesslich Männer, an ihren persönlichen Attributen oder Familienwappen. Übrigens: Dass die Porträtierten meist schielen, hat nicht mit einem fehlsichtigen Drucker zu tun – es deutet darauf hin, dass es sich um den Höhepunkt der Szene handelt.

Musée d’art et d’histoire Genf
Bis 11. 1. 2015, Di–So 11–18 Uhr
Tel. 022 418 26 00, Publikation CHF 55.–
www.mah-geneve.ch

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