Surrealismus in Paris Die Macht der Träume

Der Surrealismus ist eine der prägendsten Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Die Fondation Beyeler in Riehen widmet ihm nun die erste umfassende Ausstellung in der Schweiz.
Verführt: «Das Rätsel der Begierde», 1929, von Salvador Dalí.
© HO Verführt: «Das Rätsel der Begierde», 1929, von Salvador Dalí.

Was für eine Szenerie – wie einem bizarren Traum entsprungen. Dieses undefinierbare gelbe Gebilde mit all seinen Vertiefungen und den Löchern. Der schlafende Kopf, die Ameisen, der wolkenlose Himmel. Was uns Salvador Dalí damit wohl sagen wollte? Der Titel «Das Rätsel der Begierde» hilft auch nicht wirklich weiter. Ein Werk, ganz den Assoziationen und der Fantasie des Betrachters überlassen. Der Surrealismus glaubt an die Allgewalt der Träume, «an das absichtsfreie Spiel des Gedankens». So bringt der französische Schriftsteller André Breton (1896–1966) im «Surrealistischen Manifest» von 1924 die Bewegung auf den Punkt, die die Kunst des 20. Jahrhunderts prägen sollte.

Unter Bretons Führung wollten Salvador Dalí (1904–1989), Joan Miró (1893–1983), René Magritte (1898–1967) oder Max Ernst (1891–1976) mit ihren surrealistischen Werken nichts weniger als das Leben und die Gesellschaft verändern. Während Salvador Dalí oder Max Ernst versuchten, das Unwirkliche und Traumhafte der gesellschaftlichen Realität sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten, ist für René Magritte das Gegenspiel zwischen dem Abbild der Realität und der Realität an sich kennzeichnend: «Ein Gegenstand hängt nicht so sehr an seinem Namen, dass man für ihn nicht einen anderen finden könnte, der besser zu ihm passte …» Am radikalsten interpretiert Joan Miró das surreale Konzept. Er fügt Texte ein und reduziert seine Objekte, ob Mensch, Tier, Blumen oder Gestirne, bis zur Unkenntlichkeit.

Die Schau in der Fondation Beyeler zeigt mit «Surrealismus in Paris» eine der einflussreichsten künstlerischen Bewegungen der Moderne in all ihren viele Facetten und brilliert mit raren Kunstschätzen wie «L’antipape» von Max Ernst. Über 250 Werke, darunter Objekte, Collagen, Texte, Fotografien und Filme sind zu sehen. Die legendären surrealistischen Privatsammlungen von Peggy Guggenheim und Simone Collinet, André Bretons erster Frau, gehören zu den Höhepunkten der Ausstellung.

FONDATION BEYELER Riehen BS. Bis 29. 1. 2012, tägl. 10–18, Mi 10–20 Uhr,
Tel. 061 - 645 97 00, www.fondationbeyeler.ch

Auch interessant