Alain Claude Sulzer (Galiani Berlin) Die Suche nach dem verlorenen Vater

Aufwühlend: Der Roman des Schweizers Alain Claude Sulzer über einen Mann, der seine Liebe mit dem Tod besiegelt.
Der Autor, Alain Claude Sulzer, 57, erhielt dieses Jahr den Hermann-Hesse-Preis.
© Onorio Mansutti Der Autor, Alain Claude Sulzer, 57, erhielt dieses Jahr den Hermann-Hesse-Preis.

«Nie zuvor war mir so klar gewesen, dass ich nichts über ihn wusste und dass ich das Einzige, was ich von ihm hätte besitzen müssen, nicht besass: die Uhr auf diesem Foto.»

Diese Gedanken gehen dem 17-jährigen Erzähler durch den Kopf, als er die Fotografie seines Vaters erstmals genauer betrachtet: diesen jungen Mann, der ihm so ähnlich sieht. Der sich mit 24 Jahren das Leben nahm. Knapp zwei Wochen nach der Taufe seines Sohnes. «Wie hatte ich das Foto so lange vernachlässigen können, warum war ich so lange blind gewesen?» Es ist die Uhr, die seinen Blick immer wieder fesselt und ihn dazu bringt, nach den Spuren seines Erzeugers zu forschen. Spuren, die seine Mutter jeweils geschickt verwischt. Die Uhr schenkte sie nach der Beerdigung ihres Mannes dem Patenonkel ihres Sohnes. Seither haben sie beide nichts mehr von ihm gehört: Die Adresse von André Gros steht auf der Rückseite der Fotografie. Der ehemalige Schulfreund des Vaters lebt in Paris. Der Erzähler packt seine Siebensachen, will die Omega Seamaster zurück. Und bekommt mehr.

Denn sein Patenonkel gewährt ihm Einblick ins kurze Leben seines Vaters: Dieser kam mit 18 in eine Nervenklinik und lernte dort Veronika, die Sekretärin seines Arztes, kennen. Emil war überzeugt, dass ihn die Liebe zu ihr geheilt hatte. «Von ihr ging eine Ruhe aus, die sich auf ihn übertrug. Ein weiblicher Friede.» Doch dieser währte nicht lange.

Alain Claude Sulzer ist ein grossartiger Autor. Er lebt in Basel und im Elsass. In seinem neunten Buch schreibt er über eine Liebe in den 1950er-Jahren. Eine verbotene Liebe. Ein melancholischer Plot, der den Sohn schliesslich mit dem Schweigen der Mutter versöhnt und ihn den verlorenen Vater finden lässt.

Warum das Buch keinen kaltlässt

  • Sulzer hat sich mit grosser Sensibilität auf eine heikle Thematik eingelassen.
  • Eine wunderbare Sprache und präzise gezeichnete Figuren und Charaktere.
  • Es ist unmöglich, sich dieser Liebes-Tragödie zu entziehen.

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