Loutop Die Utopisten

«Attache» heisst das neue Programm der Tanzcompagnie Loutop. Nun touren sie durch Frankreich und die Schweiz.
Wie im Märchen: Moni Wespi und Pierre Bertrand von Loutop.
© Christian Glaus Wie im Märchen: Moni Wespi und Pierre Bertrand von Loutop.

Eine gefährlich steile Rampe, ein eiserner Turm, nur schwach beleuchtet von einer alten Strassenlaterne. Dazu metallisches Scharren, dumpfe Bässe und Kettengerassel – eine garstige, fast schon unheimliche Szenerie. Da schält sich eine koboldartige Gestalt (Moni Wespi) aus dem Dunkel, eine endlose Schleppe mühsam hinter sich herziehend. Kurz darauf kriecht eine zweite (Pierre Bertrand) hervor. Die beiden begegnen sich, suchen Kontakt. Aber wieder und wieder verfängt sich der überlange Stoff an den Kanten des Turms, wickelt sich um die Laterne und bringt die Figur zum Stillstand, zwingt sie zu Boden und verunmöglicht so die Annäherung.

«Die Schleppe ist ein Symbol für die Erinnerungen, die sie mit sich herumträgt», erklärt Moni Wespi, Leiterin der Tanzcompagnie Loutop und Protagonistin von «Attache». Klangtüftler Benjamin Chaval ist der Dritte im Bunde. Er versucht, eingesperrt hinter den Gitterstäben des Turms, mittels Tönen mit den anderen zu kommunizieren. Die teils quälenden Geräusche spiegeln die innere Zerrissenheit der drei Individuen. Eine gehörige Portion Düsternis also, gespickt, immerhin, mit poetischen Momenten.

Nicht von ungefähr nennt die 33-jährige Zürcherin ihr neues Stück auch lakonisch Trashmärchen.

Inspiration findet die ausgebildete Tänzerin meist im Visuellen. «Ich habe das Bühnenbild schon vor Augen, bevor ich weiss, was ich erzählen möchte.» Die Geschichte entwickle sich oft erst beim Improvisieren. Das lasse den Tänzern viel Freiraum und schaffe so grösstmögliche Authentizität. Die Realisierung ihrer szenischen Universen, wie sie ihre Bühnenbilder nennt, seien kein Problem. Nach einer abgebrochenen Schreinerlehre hat Moni Wespi vor vier Jahren ihre eigene Compagnie Loutop gegründet. «Ich habe zum Tanz zurückgefunden und kann mein bautechnisches Wissen in meine Arbeit integrieren. Es ging also nichts verloren», sagt sie fröhlich. Seither tourt sie mit ihren «Tanznomaden» im Wohnwagen durch die Schweiz und das nahe Ausland. Baut mit der fünfköpfigen Truppe in jeder Stadt von Neuem das Bühnenbild auf, um nach wenigen Tagen weiterzuziehen. «Ich liebe diese Freiheit, das Tanzen unter freiem Himmel, das intensive Zusammensein mit der Truppe.» Sie könne sogar davon leben, «wenn auch äusserst bescheiden».

Loutop leitet sich vom französischen «l’utopie» ab. Der Name entstand vor vier Jahren im Rahmen einer Stückidee und ist erhalten geblieben. «Ich finde, er passt ganz gut zu unserer Arbeit», sagt Moni Wespi schmunzelnd.

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