Nives Widauer Die Vielfalt der Details

Die Baslerin Nives Widauer ist auf zwei Bühnen zu Hause: in der Kunstwelt und im Theater. Nun widmet ihr das Kunsthaus Baselland eine erste umfassende Einzelausstellung.
Runde Sache: Nives Widauer mitten in ihrer Installation «Global Globes» im Kunsthaus Baselland.
© Heiner H. Schmitt Jr. Runde Sache: Nives Widauer mitten in ihrer Installation «Global Globes» im Kunsthaus Baselland.

Wer die Treppe im Kunsthaus Baselland hinabsteigt, dem liegt die Welt zu Füssen. Mit 200 Globen, von einfachen Plastikmodellen bis zu historischen Raritäten, bildet die Installation «Global Globes» den Auftakt zu Nives Widauers eindrücklicher Schau «Do I dream or am I alive». Ein genauerer Blick auf die vielen Weltkugeln lohnt, es gibt da und dort Reminiszenzen an einschneidende Weltereignisse.

Überhaupt, Details sind bei Nives Widauers Arbeiten essenziell. «Man ist Teil von dem, worauf man schaut», sagt die 46-Jährige, führt uns in den nächsten Raum. Mittendrin steht ihr neustes Werk: eine Bank mit dem kryptischen Namen «Settle/Aufraum», bestehend aus in Bronze gegossenen Videokassetten. «Ich habe meine vergänglichen Video-Arbeiten für 6 Millionen Jahre konserviert», sagt die Künstlerin mit einem Augenzwinkern. Weniger haltbar, dafür herrlich doppelbödig sind ihre bekannten «minor catastrophies»: biedere Stickvorlagen – mit kleinsten Veränderungen macht sie deren Idylle den Garaus. Bei der Papierarbeit «Lora et ses amies» erhalten prachtvoll gefiederte Papageien farblich passende Frauenbeine und werden so zu anmutigen Fabelwesen.

Reduktion, Ergänzung, Details. Das sind die Parameter von Nives Widauers Kunst. Innerhalb dieses Dreiecks lotet sie mittels Video, Installationen, Papier und Fotoarbeiten die Grenzen zwischen Kunst und Bühne aus. Seit sie ihre Karriere vor 21 Jahren mit einer Videoeinspielung am Theater Basel startete, ist Nives Widauer auch für Video-Installation und Lichtdesign bekannt. Aktuell: Die Kammeroper «Nacht», bei der die Künstlerin für die Gesamtausstattung verantwortlich ist, eröffnet im Oktober die Spielzeit des Gare du Nord in Basel (21.–24. 10.). 

KUNSTHAUS BL: Bis 13. 11. Di/Do–So 11–17, Mi 14–20 Uhr.
Publikation CHF 49.–, www.kunsthausbaselland.ch
GALERIE SEMINA RERUM, Zürich: Bis 15. 10., www.seminarerum.ch

 

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