SF-Doku-Soap «Die ­Alpenfestung» Dienst am Vaterland

Erst «Sahlenweidli», dann «Die Pfahlbauer» und jetzt «Die ­Alpenfestung»: Für die neue SF-Doku-Soap reist Familie ­Gaberthüel zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Sie drücken am Rist, die schweren schwarzen Nagelschuhe, die Martin Gaberthüel, 32, im Entree der 4-Zimmer-Wohnung in Oftringen AG abstreift. Pflichtbewusst läuft der Agronom und landwirtschaftliche Betriebsleiter sie ein. Vor ein paar Tagen, beim Ein­kleidungstermin im Zeughaus Aarau, schienen sie noch ganz erträglich.

Jetzt aber ist Martin mässig begeistert: Schritt für Schritt macht sich bemerkbar, dass es sich nicht um ein zeitloses Modell handelt: «Ich rutsche immer wieder aus. Für die Naturstrassen der Kriegsjahre waren diese Dinger vielleicht geeignet, nicht aber für den Asphalt von heute!»

Martins Frau Annelies nickt und lacht. Auch die 32-jährige Hauswirtschafts­lehrerin ist in der Vorbereitungsphase «fürs grosse Experiment». Sie liest das Buch «Es war halt Krieg». Studiert Kochrezepte mit möglichst wenigen und gängigen Zutaten. Und übt das Melken («Unglaublich mühsam, nach der dritten Kuh bekommt man eine Sehnenscheiden­entzündung!»).

Während Martin in den Sommerferien drei Wochen lang in die Rolle eines Soldaten schlüpft und in der Festung Fürigen in Stansstad NW «das Vaterland vertei­digt», wird sie mit der knapp einjährigen Tochter Noemi, zwei weiteren Frauen und vier Kindern auf einen Bauernhof in Emmetten NW ziehen und «die Anbauschlacht» bewältigen.

Im Gepäck: «Ein Nuggi. Sonst nichts!» Keine Pampers. Keine Babymilch. Kein Spielzeug. «Noemi kann sich zum Glück gut mit sich selbst beschäftigen», sagt Annelies, während Martin ihr auf den Kartoffelfeldern des von ihm und seiner Mutter geführten Hofes letzte Pflege- und Erntetipps gibt.

Als wolle sie dies bestätigen, gluckst die kleine Noemi fröhlich vor sich hin, lässt den Erdklumpen in ihrer Hand fallen und greift entschlossen nach einem Käfer, der es sich gerade auf dem Kraut der Desirée-Kartoffeln bequem gemacht hat. «Das wird schon gut gehen», sagt Mami Annelies zuversichtlich, «und selbst wenn es schwierig wird – es sind nur drei Wochen.»

Von der Idee, sich in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückversetzen zu lassen, waren Annelies und Martin nicht sofort begeistert. Auf einem Sonntagsausflug nach Weihnachten erzählte der Vater von Annelies von «dieser tollen neuen Sendung im Schweizer Fernsehen», für die man sich bewerben könne. So wie die Pfahlbauer. Nur gehe es diesmal ins Réduit. «Das wär doch was für euch», sagte er noch. Dann war das Thema abgeschlossen.

Bis – ein paar Abende später – Annelies und Martin unabhängig voneinander mit dem Anmeldeformular fürs «Alpenfestungs-Casting» nach Hause kamen. Schnell war klar: «Wir wagen es!» Die Gaberthüels schafften es unter die 33 von 800 Bewerberinnen und Bewerber, die am Living-History-Projekt teilnehmen dürfen – und das nicht zuletzt dank Noemi: «Sie ist unser Joker!», sind sich beide einig.

«Seit wir uns kennen, waren wir noch nie drei Wochen getrennt. Das wird hart!»

«Lieber ihr als wir.» Diesen Spruch hören Annelies und Martin momentan häufig beim Einkaufen im Dorf. Nicht alle können nachvollziehen, wie man seine Freizeit für ein hartes Stück Arbeit, drei Wochen Schweiss, Drill und rationiertes Essen eintauschen kann. «Die Monotonie und das stundenlange Exerzieren – das wird schon eine Heraus­forderung», meint Martin, «aber eine spannende!» Annelies fürchtet sich derweil vor etwas ganz Konkretem.

«Ich traue mich fast nicht das zu sagen», erklärt sie schmunzelnd, «eigentlich ist es lächerlich, und sonst bin ich ja auch nicht so ein ‹Tüpfi› …» Dann verzieht sich ihr Gesicht und sagt angewidert: «Spinnen.» Normalerweise lasse sie die Tierchen im Ernstfall verschwinden. «Aber Staubsauger hatten die während der Kriegsjahre wohl nicht, oder?»

«Ich freu mich vor allem auf eines: das Wiedersehen», sagt Martin, während er, zurück vom Ausflug aufs Kartoffelfeld, Noemi ein kleines «Chasperlitheater» im Wohnzimmer vorführt. Die dreiwöchige Trennung von Frau und Tochter fällt ihm ganz schön schwer.

Seit Annelies und er, beide begeisterte Turner, sich 2004 bei den Vorbereitungen zu einem Turnfest kennengelernt haben, seien sie nie länger als eine Woche getrennt gewesen, sagt Martin. «Das wird hart.» Annelies nickt wehmütig. Dann aber breitet sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus: «Ich sag nur eins: Feldpost!», wendet sie sich an ihren Mann. «Dein letzter Liebesbrief ist mindestens vier Jahre her …»

Gelebte Geschichte
Am 27. Juli startet «Die Alpenfestung – Leben im Réduit»

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