Band der Stunde: Rusconi Digitale Revoluzzer

Die Jazzband Rusconi geht mit ihrem aktuellen Album, «Revolution», neue Wege: Sie stellt ihre Musik kostenlos zur Verfügung und setzen dabei auf die Gunst ihres Publikums.
Gehen konsequent ihren Weg: Fabian Gisler, Bass, Stefan Rusconi, Klavier, und Claudio Strüby, Schlagzeug (v. l.), in ihrem Proberaum in Basel.
© Heiner H. Schmitt, Jr. Gehen konsequent ihren Weg: Fabian Gisler, Bass, Stefan Rusconi, Klavier, und Claudio Strüby, Schlagzeug (v. l.), in ihrem Proberaum in Basel.

Das neue Cover von Rusconi ist Programm: Der Scherbenhaufen, den das Jazztrio anrichtet, indem es sich nach drei Jahren vom Plattenlabel Sony trennt, wird neu geordnet – und zwar auf (r)evolutionäre Weise.

«Unsere Alben sollen dort vertreten sein, wo die Jungen Musik hören: auf Smartphones, Tablets, im Netz», sagt Schlagzeuger Claudio Strüby. Und da in Zeiten der digitalen Reproduzierbarkeit und des grenzenlosen Internets das illegale Herunterladen von Musik schon fast zum guten Ton gehört, bietet Rusconi die neusten Songs gratis an. Die Band setzt auf Spenden – und auf ein Umdenken beim Publikum. «Wer unsere Musik schätzt, ist meist bereit, uns zu unterstützen», sagt Stefan Rusconi. Der Auftakt sei jedenfalls vielversprechend – das Album ist seit Anfang März auf ihrer Website frei verfügbar.

Rusconi geht auch musikalisch eigene Wege. Seit der Gründung 2004 gelten sie als Jazztrio, doch Stefan Rusconi, 33 (Klavier), Fabian Gisler, 35 (Bass), und Claudio Strüby, 32 (Drums), sprengen längst die Grenzen des Genres. Im preisgekrönten Video «One Up Down Left Right» von 2009 drehen geklonte Bauarbeiter in einer Fabrikhalle mit dem Gabelstapler Runden – damit schafft sich Rusconi eine verschworene Fangemeinde. Das Album «It’s a Sonic Life», auf dem die Band die Songs von Sonic Youth auf eigene Weise adaptiert, gewinnt den Echo 2011.

Mit ausgetüftelten Präparationstechniken suchen die drei Musiker stets nach neuen Klängen. Besonders experimentierfreudig ist Stefan Rusconi. Der Pianist steckt Plastiklöffel zwischen die Saiten seines Flügels oder drückt Luftballone auf den Resonanzboden, um den Klang der Töne zu verändern. «Die Improvisation ist für uns ein wichtiges Element, aber sie bewegt sich immer einer Melodie entlang.» Auf «Revolution» kommt nun erstmals auch die Stimme zum Einsatz. Wortlos, nur als Klangfarbe.

Übrigens, wer Rusconi doch lieber ins Regal stellt: An der CD-Taufe werden CDs und Vinyl zum Verkauf angeboten. Von den Bandmitgliedern selbst. Getreu dem auf der Website publizierten Rusconi-Manifest: «Ohne Euch soll es uns nicht geben.» 

CD-TAUFE: Kaufleuten Zürich, 4. 4., 20 Uhr,
DOWNLOAD: auf
www.rusconi-music.com

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