Florale Schau im Museum Bellerive in Zürich Ein blumiges Vergnügen

«Durch die Blume» heisst die Ausstellung, die das Grau der Wintertage aufmischen soll. Und: Sie hält, was sie verspricht.
Die Künstlerin Quynh Dong
© HO

Die Künstlerin Quynh Dong posiert vervielfacht in ihrem Video «Sweet Noel».

Kaum ist man durch das schöne Eisentor des Museums Bellerive geschritten, bläht sich eine riesige Plastikblume auf. Diese Begrüssung ist effektvoll, die Neugier wächst. Im Innern des Hauses buhlen rund 300 Objekte aus den verschiedensten Kunstsparten um die Aufmerksamkeit des Betrachters: Vasen, Keramiken, Möbel, Textilien, Videoarbeiten und Grafikdesign.

Blumen verschönern den Alltag, inspirieren Künstler, beflügeln die Fantasie. Äusserst beliebt waren die floralen Motive im 19. Jahrhundert, etwa in Art nouveau und Jugendstil. Emile Gallé liess Lilien und andere Blumen auf Vasen ranken, der Engländer William Morrison übersäte mit ihnen ganze Tapeten (rechts unten). Einige schöne Exemplare bereichern die Schau.

Viel Aufmerksamkeit in der Ausstellung erfährt auch das Plakat. Mit Blumen bewerben die 15 vertretenen Künstler neue touristische Orte, auch das Grand Hotel Dolder in Zürich oder das Kaufhaus Rinascente in Mailand. Ein Werk von Andy Warhol preist die Bildqualität eines Scanners mit einem «geblümten» Schwein.

Erlesene Stoffe, bemalt, bedruckt, Kleider aus den 1970er-Jahren (rechts Balenciaga, 1968), ein Seidenteppich mit Orchideen-Motiv von Shirana Shahbazi (rechts oben), Porzellan-Tässchen: Eine Vielfalt an Farben und Formen verleiht der Schau Glanz. Wie auch die schöne, extra für die Ausstellung gefertigte Bodeninstallation von Quynh Dong, «Tears of a Swan», die aus überdimensionierten, dreifach glasierten Keramik-Rosen- blüten besteht. Beeindruckend ist auch ihre Videoarbeit «Sweet Noel» (oben) von 2013, die so kitschig ist, dass man wie angewurzelt davor stehen bleibt. Ursula Palla hingegen lässt in ihrem Video eine Blumenvase samt Inhalt explodieren und fügt die einzelnen Teile wieder zusammen: ein sinnliches Spektakel – wie die ganze Schau.

Museum Bellerive Zürich
Bis 29. 3. Di–So 10–17 Uhr, geschlossen 24., 25., 31. 12. sowie 1. 1. 2015
Tel. 043 446 44 69
www.museum-bellerive.ch

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