Kino: «Tannöd» Ein ganzes Dorf im Banne des Bösen

In einer Nacht wird auf einem einsamen Gehöft eine ganze Familie samt Magd ausgelöscht. ein Film, spannend bis zum Schluss.
Unheimlich Michi (Nils  Althaus), Traudl Krieger  (M. Bleibtreu, m.), Marie  Krieger (D. Sachse).
Unheimlich Michi (Nils Althaus), Traudl Krieger (M. Bleibtreu, m.), Marie Krieger (D. Sachse).

Erste Kamera-Einstellung: ein ­dun­kler Raum, eine alte Bäuerin beim Runterbeten einer Litanei: «Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser!» Minutenlang. Schnitt. Ein Tannenwald im Nebel, das bedrohliche Rauschen der Baumwipfel: Wir sind mitten drin in Tannöd, dem neuesten Film von Bettina Oberli.

Auf einem entlegenen Bauernhof ­irgendwo in Bayern (gedreht wurde allerdings in Nordrhein-Westfalen) werden in einer stürmischen Nacht sechs Menschen umgebracht: Vater, Mutter, die erwachsene Tochter, deren zwei Kinder und die Magd. Brutal, mit einer Spitzhacke. Zwei Jahre nach dem Mord kehrt Katrin (Julia Jentsch), eine junge Frau, die als Kind das Dorf verlassen hat, dorthin zurück, um ihre Mutter zu beerdigen. Hier begegnet sie nur Angst und Misstrauen, denn der Mörder ist immer noch nicht gefasst.

Andrea Maria Schenkel erzählt in ihrem spannenden Bestseller «Tannöd» (btb-Verlag) diese grausig-wahre Begebenheit anhand von Zeugenaussagen. In der Verfilmung ist es die Katrin, eine von Regisseurin Bettina Oberli und Drehbuchautorin Petra Lüschow erfundene Figur, der die Dorfbewohner ihre Beobachtungen anvertrauen.

«Tannöd» ist eine packende Geschichte, die tief berührt. Wo beginnt das Böse? Was bewirkt das kollektive Wegschauen? Befreit das Beten von der Sünde? «Erlösung findet man nicht im blinden Glauben, sondern bei sich selber», ist Bettina Oberli überzeugt.

Trotz seiner Schwere ist «Tannöd» ein fesselnder Krimi. Die Kälte, die vom bestialischen Mord – gezeigt wird nur so viel, wie es dramaturgisch nötig ist – und der winterlichen Landschaft ausgeht, erreicht auch den Zuschauer. Der Film lebt auch von den starken Bildern des Kameramanns Stéphane Kuthy und von der Leistung der Schauspieler.

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