Martin Ziegelmüller «Weites Feld» - Werküberblick Ein Mann bleibt sich treu

Die Bilder des Malers Martin Ziegelmüller bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation. Jetzt widmen dem Berner gleich zwei Kunsthäuser eine Retrospektive.


Kritischer Blick aufs Werk: Martin Ziegelmüller in seinem Atelier in Vinelz BE.
© Alexander Jaquement Kritischer Blick aufs Werk: Martin Ziegelmüller in seinem Atelier in Vinelz BE.

Die Bilder des Malers Martin Ziegelmüller bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Natur und Zivilisation. Jetzt widmen dem Berner gleich zwei Kunsthäuser eine Retrospektive.

Wie einen Taktstock hält der Seeländer Martin Ziegelmüller, 76, den Pinsel zwischen seinen farbverschmierten Fingern. Murmelnd übt er Kritik, kneift seine Augen zusammen, geht auf Distanz zum Werk. Die Suche nach Fehlern gehört zu seiner täglichen Arbeit. In währschaftem Berndeutsch sagt er: «Als Maler gewöhnt man sich an Böcke.»

Mit kratzendem Geräusch fährt der raue Borstenpinsel über die Leinwand. Skratsch, skratsch … Seinen Weg geht Martin Ziegelmüller mit einer bewussten Sturheit. Allen Trends zum Trotz bekennt er sich zur figurativen Malerei. Als sie totgesagt wird, lebt er sie. Malend nimmt er die Welt wahr – spiegelt sie dem Betrachter in ihrer ganzen Schönheit, Verletzlichkeit oder Zerrissenheit. Sein vielschichtiges Lebenswerk umfasst Themen, die selbst nach Jahrzehnten immer wiederkehren. Landschaften, Städte, Wolken, Wasser, Pflanzen, Kristalle, Porträts. In Langenthal sind 69 Werke ausgestellt, darunter Bilder aus der Papierfabrik Biberist, der Glas Trösch und aus dem Operationssaal. Über hundert Arbeiten sind in Bern zu sehen.

Eine Wand ist allein dem Kleinformat gewidmet und zeigt bisher unveröffentlichte Bilder von toten Insekten, Vögeln und Mäusen. Bis heute hat der Künstler über 2200 Ölbilder und unzählige Aquarelle gemalt. Daneben gibt er sich als versierAusgewählt ter Autor zu erkennen («Der Maler auf seinem Drehstuhl», «Eitelhans der Gevierteilte»). Im reich illustrierten Katalog schreibt Martin Ziegelmüller: «In ein Alterswerk hinein zu malen, habe ich mir immer gewünscht. Vielleicht bin ich jetzt daran, die konventionellen Hemmungen zu verlieren.» 

KUNSTHAUS LANGENTHAL BE: Bis 10. 7. Mi/Do 14–17, Fr 14–19, Sa/So 10–17 Uhr, Tel. 062 - 922 60 55, www.kunsthauslangenthal.ch

KUNSTMUSEUM BERN: Bis 14. 8. Di 10–21, Mi–So 10–17 Uhr, Tel. 031 – 328 09 44, www.kunstmuseumbern.ch, Katalog CHF 53.–

 

 

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