Mischa Maisky Eine romantische Seele

Mischa Maisky sind grosse Gefühle in der Musik wichtiger als akkurates Spiel. Damit wurde er zu einem der grössten Cellisten unserer Zeit. Nun kommt er in die Schweiz.
Eine romantische Seele
Eine romantische Seele

Schon nach dem ersten Takt ist klar: Das Tempo ist mutig gewählt. Verwegen gar. Mischa Maiskys Bogen flitzt über die Saiten seines Cellos, als wäre der Teufel hinter den Noten her und gälte es, sie vor ihm zu retten. Schlägt Haken, bremst ab, deutet an, nur um Anlauf zu holen zum grossen Endspurt. Zum Schluss ist gewiss: Kein Ton ging verloren. Alle gerettet.

Darf man die erste Cellosuite von Johann Sebastian Bach derart interpretieren? Mit so viel Verve und Herzblut? Mischa Maisky darf das. Der lettische Cellist ist einer der Grossen seiner Zunft, und seine ungewöhnlich romantischen Interpretationen barocker Musik sind längst salonfähig. «Ich bin überzeugt, Bach war ein lebensfroher Romantiker. Schliesslich hatte er zwanzig Kinder», sagt er augenzwinkernd.

Unwillkürlich wandert sein Blick zur Vitrine, wo sich die Fotos seiner Tochter und der drei Söhne aneinanderreihen.  Auf dem Couchtisch, wohl nur scheinbar nachlässig liegen gelassen, zwei Alben von der Hochzeit mit Evelyn vor zwei Jahren. Maisky freut sich sichtlich. An barocker Lebenslust mangelt es dem 61-Jährigen gewiss nicht.

Das war nicht immer so. Sein Leben gäbe genug her für einen Schicksalsroman. Wenn auch mit Happy End. Das weiss Maisky, ganz Medienprofi, natürlich auch. Bereitwillig und nicht ohne Pathos erzählt er von den Schwierigkeiten seiner jüdischen Kindheit in Russland. Von der Aufnahme in die Meisterklasse des grossen Rostropo-witsch. Vom Arbeitslager, in das er gesteckt wurde, zur Strafe für die Emigration seiner Schwester nach Israel. Von seiner eigenen Repatriierung. Von der Suche nach Heimat. Und natürlich von der Musik, die ihn unentwegt begleitet. «Auch jetzt, wenn ich mit Ihnen rede. Ich höre immer Musik. Sie verlässt meine Ohren nie.»

Seit über dreissig Jahren lebt Mischa Maisky in der Nähe von Brüssel. Im Zentrum von Europa gelegen, ein idealer Ort für den weltberühmten Cellisten, der die meiste Zeit unterwegs zum nächsten Konzert ist, irgendwo auf dem Globus. Sein wertvolles Instrument übrigens bekommt im Flugzeug einen eigenen Sitz. Eingetragen auf den Namen Mrs. Cello Maisky.

Beim Musizieren sei ihm die Authentizität der Gefühle enorm wichtig. «Ich spiele nicht nur mit dem Kopf und den Händen. Sondern auch mit dem Herzen.» Dass sein Herz gross ist, ist nicht nur bei der direkten Begegnung mit dem Musiker zu spüren. Sondern – und vor allem – in seinen Konzerten.

Tonhalle Zürich, 19. 1. 2010, um 19.30 Uhr mit Mischa Maisky (Cello),
Reto Bieri (Klarinette) und dem Kammerorchester Basel.

Weitere Auftritte
21. 1. Kulturcasino Bern
22. 1. Victoria Hall Genf
23. 1. Tonhalle St. Gallen.
www.migros-kulturprozent-classics.ch und www.mischamaisky.com

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