Andrea Wolfensberger in der Galerie Bob Gysin Entdeckung des Unsichtbaren

Andrea Wolfensberger zeigt neue Arbeiten. In ihrer aktuellen Schau «Waveform» setzt sie Klänge DREIDIMENSIONAL um.
Skulptur und Klang: Andrea Wolfensberger und ihre Installation «Kleines Gedicht für grosse Stotterer», 2012.
Skulptur und Klang: Andrea Wolfensberger und ihre Installation «Kleines Gedicht für grosse Stotterer», 2012.

Alles Schall – jedoch alles andere als Rauch. Andrea Wolfensberger, 51, widmet sich in ihrer Kunst ganz dem Thema der Kommunikation: Sprache und deren Visualisierung stehen im Zentrum der aktuellen Ausstellung. Die Zürcherin mit Wohnsitz in Waldenburg BL macht in ihrer Schau «Waveform» Schallwellen sichtbar, die beim Sprechen von Worten – für uns ohne Hilfsmittel unsichtbar – entstehen.

Wie ein «Ja!» oder ein «Nein!» klingt, wissen wir. Aber wie sehen sie dreidimensional aus? Andrea Wolfensberger hat die Worte aufgenommen und ihre digitalen Schallwellen in lindengrüne Wandteller gefräst. Dass einer grösser ist als der andere, liegt an der unterschiedlichen Länge der beiden Worte. Ja/Nein steht auch bei der grössten gezeigten Arbeit Pate. Bei der rund 70 × 385 × 135 cm grossen Kartonskulptur hat die Künstlerin die Schallwellen der gegensätzlichen Worte in ein Diagramm umgesetzt. Die so entstandenen Klangwellen schaffen eine wogende Landschaft, die an Hügelketten oder ein unruhiges Meer erinnern. Gleich daneben eine ebenso zarte wie beeindruckend poetische Installation: «Kleines Gedicht für grosse Stotterer» von Kurt Schwitters, gesprochen von Ernst Jandl. Fünf Stahldrähte hängen von der hohen Decke bis zum Boden herab. Daran befestigt sind silbern schimmernde Scheiben, die grössten 7 cm, die kleinsten 3 mm. Die rund 5000 von einer Sägerei zugeschnittenen Kartons fädelte Andrea Wolfensberger mit Engelsgeduld nach einer Vorlage, die sie per Computer generiert hatte, in der richtigen Reihenfolge auf die Stahldrähte. «Bei dieser extrem aufwendigen Arbeit hat mich vor allem die Rhythmik und Betonung interessiert. Es ging mir um Musikalität.» Dass die Künstlerin bei den gezeigten Werken auf Karton setzt, hat nicht nur praktische Gründe. Karton ist leicht und dämmt den Schall. Alltagsgeräusche können so unverfälscht und parallel zu den fiktiven Geräuschen der Skulpturen wahrgenommen werden.

Galerie Bob Gysin Zürich.
Bis 2. 2. 2013, Di–Fr 13–18 Uhr, Sa 12–16 Uhr,
geschlossen: 23. 12–2. 1. 2013,
Tel. 044 278 40 60,
www.gbg-galerie.ch

 

Auch interessant