Beni Züger «Er bleibt in meinem Herzen»

Er sieht ein bisschen aus wie Michael Jackson und ist sein grösster Schweizer Fan. Beni Züger, 20, aus Heerbrugg trauert um sein Idol. Und hat einen grossen Wunsch: Er will an Jackos Beerdigung.

Schon im Flur des Mehrfamilienhauses in Heerbrugg SG ist er zu hören, der King of Pop. «Dirty Diana» dringt laut und eindringlich aus kleinen Boxen, während im abgedunkelten Wohnzimmer fünf Rechaud-Kerzen ein Jacko-Bild und den darum drapierten Rosenkranz beleuchten. Beni Züger – «Beni Jean», wie ihn Freunde nennen – sitzt am Computer.

Er will einen Pass beantragen. Für Amerika. «Ich muss an Michaels Beerdigung, egal, was es kostet», sagt der 20-jährige Besitzer eines eigenen Mode-Labels. Einen Brief würde er dann auf das Grab seines grossen Idols legen. Darin würde unter anderem dieser Satz stehen: «Du hast mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin, und wirst immer in meinem Herzen bleiben.»

In Benis Umfeld ist noch nie jemand gestorben. «Aber genau so muss es sich anfühlen, wenn man seine Eltern verliert», sagt er, steht auf, die Augen glasig, und geht «mal kurz auf den Balkon».

Eines der ersten Fotos im Fami­lien­archiv der Zügers zeigt den kleinen Beni in Michael-Jackson-Verkleidung. Der etwa Vierjährige versinkt in einer riesigen Lederjacke, lächelt mit einer übergrossen Pilotenbrille auf der Nase in die Kamera. «Als Siebenjähriger bekam ich von meinem Bruder zu Weihnachten die ‹History›-CD. Von da an war ich nicht mehr zu bremsen. Ich sammelte alles: Michael-Platten, Michael-Shirts, Michael-Plastikpuppen», erzählt Beni, der sich deswegen auch immer wieder Sprüche von Klassen­kameraden anhören musste.

Die Hin­gabe für sein Idol wurde dadurch nie geringer. Ebenso wenig durch den Prozess wegen Kindsmissbrauchs 2004/2005. «Michael brauchte uns damals mehr denn je», erklärt Beni und ergänzt nachdenklich: «Auch ich hatte zwischendurch Zweifel an seiner Unschuld. Michael ist nicht perfekt. Aber genau das macht ihn so sympathisch.»

Am 25. Juni 2009, als Beni Züger um 22.30 Uhr vom Ausgang nach Hause kommt, überrollt ihn am Computer eine Mailflut von Hiobsbotschaften: Freunde aus der Swiss Michael Jackson Community haben ihn angeschrieben. Koma! Herzversagen! Der King of Pop in ­Lebensgefahr! «Ich war geschockt, verfolgte die ganze Nacht die News im deutschen Michael Jackson Fanforum, parallel dazu lief CNN.» Als um 1.36 Uhr Michaels Tod offiziell bestätigt wird, weckt der 20-Jährige seine Mutter. «Ich brach zusammen, hab nur noch ge­weint.»

In zwei Wochen hätte Beni «seinen» Michael zum ersten Mal live gesehen. In London, gleich an drei Konzerten in einer Woche. Das Zimmer in der Jugendherberge ist noch immer gebucht. «Viele Fans reisen trotzdem nach London. Aber ich weiss nicht, ob ich das schaffe», sagt Beni. Erst mal geht für ihn ein anderer Termin vor: Nächste Woche will er ins Tattoo-Studio. Die Silhouette des King of Pop ziert bereits seinen rechten Unterschenkel. Nun soll Jacko ein weiteres Mal auf Benis Körper verewigt werden. Auf der Innenseite seines Unterarms. Mit Geburts- und Todesdatum. Und einem «R.I.P» für Rest in Peace – Ruhe in Frieden.

«Dirty Diana» läuft noch immer im Repeat-Modus. Und «Beni Jean» geht erneut «mal kurz auf den Balkon». Wieder zurück greift er zu einem Notizbüchlein. Seit drei Jahren hält er darin Zitate von Michael und seine eigenen Gedanken dazu fest. «Michael Jackson» steht auf dem Kartondeckel. Und darunter, in Grossbuchstaben: «Living Legend».

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