Esther Mathis Mit unbändiger Neugier

Die Zürcherin Esther Mathis zeigt ihre Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft. Verblüffend und poetisch.
«Lean on me» von Esther Mathis
© Foto Roger Hofstetter

Esther Mathis vor ihrer lichtdurchfluteten vierminütigen Videoarbeit «Lean on me».

Das Video dauert vier Minuten. Während den ersten drei passiert gar nichts. In der Dunkelheit des Raumes nimmt man eine Geräuschkulisse wahr: Autos, Vogelgezwitscher, Ästeknarren, Wasserrauschen. Dann wird es hell, ein Wald, zwei Bäume in inniger Umarmung, zusammengewachsen für die Ewigkeit, Blätter im Wind, Sonnenstrahlen durch das dichte Laub.
«Lean on me» ist eine der neuesten Videoarbeiten von Esther Mathis, 29, und sie ist von Leichtigkeit und Poesie durchdrungen, wie auch andere Werke der Künstlerin.
Beziehungen stehen im Mittelpunkt von Esther Mathis' Interesse. Zwischenmenschliche, aber auch Beziehungen im Allgemeinen.

In «17 mm – maybe someday we will be two people meeting again for the first time» ist die Distanz so berechnet, dass die beiden Magnete nicht zusammenprallen, ihre Anziehungskraft jedoch so gross ist, dass der Metallstaub das Magnetfeld sichtbar macht und sich die einzelnen Partikel in der Luft fliegend zueinander ausrichten. «In einer Welt, die sich immer verändert, kann ich auf diese Weise etwas festhalten.» Esther Mathis lächelt, ihre blaugrauen Augen sind wie zwei Punkte im All. Oder zwei Staubkörner, die wie Sterne leuchten und an die Arbeit erinnern, in der sie während eines Jahres in fünf verschiedenen Städten Staub auf Gläsern einfing und sie später in der Dunkelkammer auf Fotopapier fixierte. Das Resultat sind Bilder, die an die Unendlichkeit des Universums erinnern. «Ich will Momente einfangen. Das Unsichtbare erforschen und es sichtbar machen», sagt die Fotografin und Videokünstlerin, die auch in stallativ arbeitet. Nach sieben Jahren Mailand, wo sie am Istituto Europeo di Design studierte, ist Esther Mathis nach Zürich zurückgekehrt und nun gerade dabei, ihren Master an der Zürcher Hochschule der Künste abzuschliessen. Hat sie dabei noch Zeit für die Kunst? Aber sicher. Mit einer filigranen Installation wurde sie soeben in der Dezemberausstellung der Künstlergruppe Winterthur ausgezeichnet.

Christophe Guye Galerie Zürich
Mo–Fr 10–18, Sa 11–16 Uhr
Tel. 044 252 01 11
Buchvernissage 6. 3.
www.christopheguye.com

 

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