JAPANISCHE KUNST IM MUSEUM RIETBERG Flüchtige Augenblicke

Im 18. und 19. Jahrhundert war in Japan die Darstellung schöner Menschen, vor allem schöner Frauen, sehr beliebt. Der Holzdruck trug zur Verbreitung der Kunstblätter bei.
Anmutig: «Blumen im Wind»
Anmutig: «Blumen im Wind»

Ihre Gesichter sind enigmatisch, vergeblich sucht man nach individuellen Zügen: Die Augenbraue geschwungen, das Auge eine feine Ritze, die Nase lang, der Mund rot wie eine Kirsche. Es sind japanische Schönheiten, ob Geishas oder Frauen in Teehäusern, Prostituierte oder unschuldige Mädchen. Und sie haben Meister wie Kitagawa Utamaro (1753–1806) oder Suzuki Harunobu (1725–1770)inspiriert. Im japanischen Holzdruck – dem «ukiyo- e», was so viel heisst wie Bilder der fliessenden, vergänglichen Welt – wird die Flüchtigkeit des Augenblicks eingefangen. Der Künstler benutzt die stilisierten Körperumrisse der Frau, um mit Stoffmustern und Farbkombinationen zu experimentieren. Der eigentliche Blickfang sind dabei Kleider, Frisur und Haarkämme. Die preiswerten Blätter fanden beim aufstrebenden Bürgertum bald reissenden Absatz. «Blumen im Wind» (o.) von Utagawa Toyokuni I (1769–1825) besticht durch seine Komposition und Dynamik. Während der Wind Blüten und Kimonos durcheinanderwirbelt, bringen Frauen Papierbotschaften am Baum an. In der reichen Musterung der Kleider und den feinen Zügen der Gesichter zeigt sich das grosse Können des Künstlers. Die Ausstellung umfasst 100 Holzdrucke aus dem Honolulu Museum of Art sowie Fotografien und zwei Videoinstallationen. 

MUSEUM RIETBERG Zürich Ab 7. 7. bis 14. 10. Di–So 10–17, Mi/Do 10–20 Uhr,
Tel. 044 206 31 31,
www.rietberg.ch,
Katalog CHF 38.–

 

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