Gerhard Richter in der Fondation Beyeler Ein Fest für die Augen

Die Fondation Beyeler in Riehen richtet dem weltbekannten deutschen Maler Gerhard Richter eine gross angelegte Schau aus. Nicht verpassen!
Verkündigung nach Tizian, 1973
© 2014 Gerhard Richter

«Verkündigung nach Tizian», 1973 (125 cm × 200 cm).

Gerhard Richter führt das Ranking des «Kunstkompass» als bedeutendster (und zeitweise auch als teuerster) Künstler der Gegenwart seit Jahren an. Zu den beliebtesten gehört er sowieso. Darum verwundert es nicht, dass die Fondation Beyeler dem deutschen Maler nun die bisher umfassendste Ausstellung in der Schweiz widmet. Nachdem in Winterthur Anfang Jahr neue Streifenbilder und Lackbilder auf Glas zu sehen waren, widmet sich die Schau in Riehen seinen Serien, Zyklen und Räumen. Zu sehen sind rund hundert Bilder, darunter figurative Porträts, Stillleben und Landschaften ebenso wie abstrakte Gemälde, ausserdem zwei Glasobjekte und 64 übermalte Fotografien. «Besonders glücklich bin ich, dass Gerhard Richter neue Werke gemacht hat wie ‹Doppelgrau›, die erstmalig ausgestellt werden», sagt Kurator Hans Ulrich Obrist stolz. Der 81-jährige Richter hat in der 1970er-Jahren Malereigeschichte geschrieben, als er die Figur auf die Leinwand zurückholte. In seinem riesigen Werk finden sich unzählige Ikonen: seine verwischten Gemälde nach Fotovorlagen genauso wie die Wolken- und Seestücke oder die berückend schönen Porträts. Wie das seiner ersten Frau Emma, die nackt eine Treppe hinunterschreitet, oder von Tochter Betty (siehe Bild), dessen Zauber darin liegt, dass sie sich vom Betrachter abwendet und ihr Gesicht vor uns verbirgt. Es ist eines der meist-reproduzierten Gemälde und gilt auch als moderne Version von da Vincis «Mona Lisa».Das Festhalten und Fixieren eines flüchtigen visuellen Eindrucks ist eines der Merkmale von Richters Arbeit. Damit wolle er der allgegenwärtigen Vergänglichkeit etwas entgegensetzen, sagt der Künstler. Auch gelingt es ihm immer wieder, sich neu zu erfinden. Zufall, Mut zur Wiederholung und die Neuinterpretation alter Werke oder Techniken sind zuverlässige Parameter in der Entwicklung neuer Kunsträume in Richters Kosmos. Noch immer malt er fast jeden Tag in seinem riesigen Atelier in Köln, meist an mehreren Bildern gleichzeitig. So vermeide er Routine und erhalte sich sein Können, sagt der Meister mit einem Augenzwinkern.Wer noch tiefer in Richters Kunst eintauchen will, reist nach Winterthur. Dort zeigt das Kunstmuseum aus der eigenen Sammlung Papierarbeiten aus dem Zyklus «Von Elbe bis November» (bis 27. 7.) 

Fondation Beyeler Riehen BL 18. 5.–7. 9.
täglich 10–18, Mittwoch 10–20 Uhr
Tel. 061 645 97 00
www.fondationbeyeler.ch

 
 
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