«Realismus» in der Fondation Pierre Arnoud Facette der Wirklichkeit

Die Fondation Pierre Arnaud in Lens VS zeigt eine beeindruckende «Symphonie der Gegensätze». Packend.
Badende mit Kranichen
© Fondation Pierre Arnoud

Badende mit Kranichen «Vol de grues», 1917, von Félix Vallotton.

Der Titel Realist wurde mir aufgezwungen, wie man den Menschen von 1830 den Titel Romantiker aufgezwungen hat», sagt Gustave Courbet 1855. Und trotzdem, ob er will oder nicht, wird der grosse französische Maler mit Äusserungen, wie «man will nicht nur brav die Natur imitieren, sondern die Sitten, die Ideen und das Erscheinungsbild einer Epoche (...) abbilden, indem man seine eigene Individualität heraushebt», zur Symbolfigur einer Bewegung, die vielschichtige Strömungen in sich vereint.

Entsprechend treffend lautet der Titel der Ausstellung: «Realismus. Eine Symphonie der Gegensätze». Denn eine Schule des Realismus gibt es nicht. Künstler, die die Realität aufzeigen, ohne sie zu idealisieren, und dabei politische sowie soziale Themen aufgreifen, können dazugezählt werden. Dem Realismus werden zudem zahlreiche Attribute beigefügt, wie poetischer, sozialer, idealisierter, allegorischer oder engagierter Realismus.

In der Ausstellung in Lens VS werden diese unterschiedlichen Strömungen aufgegriffen und zu einem spannenden und visuell beeindruckenden Parcours zusammengefasst. Neben grossen Namen wie Anker, Courbet, Dix, Hodler, Vallotton entdeckt man zahlreiche welsche Maler, die bei uns nicht mehr so präsent sind. Etwa den Wadtländer Ernest Biéler mit «Après la messe», 1937 (l.), die vier Barraud-Brüder mit eindrücklichen Porträts oder William Röthlisberger mit seinem poetischen Gemälde «Les Casseurs de pierres» (o.). 

Fondation Pierre Arnaud Lens/Crans-Montana
Di 10–21 Uhr, Mi–So 10–19 Uhr, Tel. 027 483 46 10
www.fondationpierrearnaud.ch, Katalog CHF 39.–

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