«Eine Wahlverwandtschaft» in Lens VS Ideenquelle der Surrealisten

Surrealismus trifft auf primitive Kunst. Die Fondation Pierre Arnaud zeigt die Berührungspunkte der beiden Stilrichtungen. Packend.
Elfenhaft
© HO

«La grotte vertébrée» von Salvador Dalí. 

Nach dem Ersten Weltkrieg, der Verwüstung und eine immense Leere hinter sich liess, begann für viele Surrealisten das grosse Suchen nach neuen Werten. Fauvisten und Kubisten waren bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Faszination der afrikanischen Artefakte erlegen, denn die primitive Kunst lieferte noch nie gesehene Formen, geheimnisvolle Symbole, mysteriöse Rituale. Und einen puristischen Stil. Genau das, worauf die Surrealisten aus waren, die – animiert von der aufkommenden Psychoanalyse – immer tiefer in ihre Träume eintauchten. Einer der wichtigsten Vertreter des Surrealismus war der aus Deutschland stammende Maler, Grafiker und Bildhauer Max Ernst (Foto rechts). Wie aus Fotografien ersichtlich, sammelte er leidenschaftlich primitive Kunst aus Afrika und Ozeanien. Objekte, die oft seine Werke beeinflussten, wie etwa «La belle Allemande» um 1934/35, die eine starke Ähnlichkeit mit der Maske aus der Elfenbeinküste aufweist (Bilder oben rechts).

«Un air de famille» (Eine Wahlverwandtschaft) öffnet den Dialog zwischen Surrealismus und primitiver Kunst. Gleich im Eingangsbereich begegnet man der Kunst aus Afrika und Ozeanien, von den Mayas oder den Eskimos. Masken, rituelle Gegenstände und Skulpturen von grosser Faszination und Schönheit. Als Pendant dazu gruppieren sich im Erdgeschoss Werke von 50 Künstlern, darunter Salvador Dalí, Hannah Höch oder Wifredo Lam: traumwandlerische neue Kunst eben. KATI MOSER

Fondation Pierre Arnaud Lens VS
Bis 5. 10., Di–So 10–19, Do 10–21 Uhr, Tel. 027 483 46 10
www.fondationpierrearnaud.ch, Katalog CHF 52.–

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