Der Bestseller: «Tauben fliegen auf» Frau im Höhenflug

Als erste Schweizerin erhält Melinda Nadj Abonji den Deutschen Buchpreis. Und die Schweiz doppelt gleich nach.
Schweizer Buchpreisträgerin: Die Zürcher Autorin Melinda Nadj Abonji, 42.
© Keystone Schweizer Buchpreisträgerin: Die Zürcher Autorin Melinda Nadj Abonji, 42.

«Ich habe es nie jemandem gesagt, aber ich liebe dieses Ebene, die sich zu einem trostlosen Strich verdünnt, nichts, das sie einem schenkt; vollkommen allein in dieser Ebene, von der du nichts wollen kannst, auf die du dich höchstens legen kannst, mit ausgebreiteten Armen, und das ist der Schutz, den sie dir gewährt.» Melinda Nadj Abonji legt in ihren Sätzen ein atemberaubendes Tempo vor. Malt mit Worten.

Die Landschaft, die sie in ihrem preisgekrönten Gegenwartsroman beschreibt, schilderte die Autorin 2006 in einem Gespräch mit der SI: «Man trägt sie ein Leben lang in sich, den Geruch von Luft und Erde. Die Ebene der Theiss, die Weite des Horizonts. Landschaft ist ein wunderschönes Wort. Für mich ist es Heimat.» Die Autorin verbrachte ihre Kindheit bei ihrer Grossmutter in der Wojwodina, die heute zu Serbien-Montenegro gehört. Melinda Nadj Abonjis Muttersprache ist Ungarisch. Serbisch kann sie, die sich als «ungarische Serbin in der Schweiz» bezeichnet, nicht. Als Fünfjährige kam sie zu ihren Eltern in eine Gemeinde am rechten Zürichseeufer. Studierte Literatur und Gesang, wurde Musikerin und Performerin.

Und Mutter eines zweijährigen Sohnes. Um Immigration, um Identität und Heimatlosigkeit dreht sich der tiefgründige Plot von «Tauben fliegen auf». Protagonisten im autobiografisch gefärbten Roman sind Nomi und Ildiko, die beiden Töchter der Kocsis. Deren Eltern haben sich in der Schweiz mit einer Cafeteria eine neue Existenz aufgebaut. Sich angepasst. Und doch bleiben sie «Schiissussländer». Wer wissen will, wie sich Fremdsein anfühlt, muss dieses Buch lesen.

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