ANINA SCHENKER IN DER GALERIE BOB GYSIN Gedankenspielerei

In ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie Bob Gysin will Anina Schenker Gedanken und Erinnerungen sichtbar machen. Mit Videos, Zeichnungen und einer raumfüllenden Installation.
Verschlungen

Anina Schenker inmitten ihrer Installation «Schwärmen».
Verschlungen Anina Schenker inmitten ihrer Installation «Schwärmen».

Wie kleine Männchen ohne Kopf schrauben sich seltsame, weisse Gebilde in einer riesigen Spirale bis unter die Decke der Galerie. Alle drehen sich in eine Richtung, keines «schwimmt» gegen den Strom. «Schwärmen» heisst die imposante Installation, die aus 600 aus Polyurethan gegossenen Hyppocampi besteht. Der Hyppocampus transportiert den Gedächtnisinhalt aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis – und lässt ihn so zu Erinnerungen werden. «Diese Arbeit symbolisiert unser kollektives Gedächtnis», sagt Anina Schenker, 40.

In der Ausstellung «Stampede» (unkontrolliertes Verhalten eines Schwarms) zeigt die Zürcher Künstlerin Werke, in denen sie sich mit Identität, Gedanken und Erinnerungen auseinandersetzt. Ein Klassiker: das Tagebuch. Ungewöhnlich sind Anina Schenkers tägliche Aufzeichnungen in «… yesterday … today … tomorrow …». An 250 Tagen rekapitulierte sie ihren Alltag und reduzierte ihre Erinnerungen radikal: zu einer Art Strichcode. «Bei jedem Pinselstrich habe ich intensiv an das Erlebte gedacht.» So unterscheiden sich die einzelnen Blätter in Dichte, Leerstellen und Kontinuität; das Gesamtbild ist heterogen. Genau wie das Leben.

Mit ihren Videos spürt Anina Schenker der Langsamkeit nach. Dank einer Highspeed-Kamera, die statt 24 Bilder pro Sekunde 3000 liefert, lösen sich Begriffe wie Zeit oder Bewegung auf. Unsichtbares wird sichtbar. Wie in der preisgekrönten Arbeit «Pirouette», in der die Künstlerin sich einmal um sich selbst dreht und durch die Highspeed-Aufnahme sichtbar macht, was für kurios-furchterregende Dinge dabei mit der Mimik passieren. In «Parole» stehen sich zwei Frauen gegenüber. Öffnen sie den Mund, kommen statt in Worte gefasste Gedanken Wasserfontänen heraus. Durch die schier endlose Dehnung der Zeit bewegen sich die Wasserströme in bizarrer Form aufeinander zu, bis sie in der Mitte aufeinanderprallen. Sehenswert! 

GALERIE BOB GYSIN Zürich.
Bis 14. 7., Di–Fr 13–18, Sa 12–16 Uhr,
Tel. 044 - 278 40 60
www.gbg-galerie.ch

 

Auch interessant