Grosse Henry-Moore-Ausstellung in Bern Abstrakt, doch nah am Leben

Henry Moore war einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Das Zentrum Paul Klee zeigt Schlüsselwerke des Briten.
Henry Moore
© The Henry Moore Foundation

Liegender Akt, 1929 Moore im Atelier.

Stehende, sitzende, liegende Figuren haben Henry Moore (1898– 1986) ein Leben lang interessiert. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete er gegenständlich, im Laufe der Jahre wechselte er zur Abstraktion, nicht ohne gelegentlich wieder zur Figuration zurückzufinden. Diese überaus spannende künstlerische Entwicklung lässt sich am besten anhand der zahlreichen Darstellungen von Mutter und Kind (oben rechts) verfolgen – oder am liegenden Akt. Schönes Beispiel hierfür ist die Bronze-Skulptur «Three Piece Reclining Figure No. 2: Bridge Prop» von 1963 (Bild Mitte unten), bei der die menschliche Gestalt zwar noch angedeutet, jedoch keine realistische Abbildung mehr davon ist. Was wiederum die Aussage von Henry Moore untermauert: «Eine liegende Figur ist wie eine Landschaft.»

Der Bildhauer besuchte während seines Studiums regelmässig das British Museum in London, wo er die nicht europäische Kunst intensiv studierte. Gleichzeitig fühlte er sich von den abstrakten biomorphen Formen angezogen, was ihn bewog, im Atelier eine Tierknochensammlung anzulegen, um – wie in der Natur – lebendige Formen zu entwickeln. Für seine Werke verwendete Henry Moore gerne Gips, den er mit Spachtel und Käsehobel bearbeitete, um raue Oberflächen zu erzielen. Nicht nur die Form, auch die Patina war für den britischen Künstler von Bedeutung.

Neben seinem bildhauerischen Werk bril-liert Moore auch in seinem zeichnerischen und grafischen OEuvre. Besonders bekannt machten ihn jene Zeichnungen aus den 1940er-Jahren, die Schutz suchende Zivilis-ten in den Londoner U-Bahn-Schächten darstellen. In der grosszügig angelegten Ausstellung sind 42 Arbeiten auf Papier sowie 28 Skulpturen zu sehen. 

Zentrum Paul Klee Bern
Bis 25. 5. Di–So 10–17 Uhr, Tel. 031 359 01 01, www.zpk.org

 
 
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