Neue Zeichnungen von Marcel Gähler Idyllisches im Zwielicht

Marcel Gählers Miniaturen zeigen: Auch kleine Zeichnungen können grosse Kunst sein. Der Winterthurer zeigt in Zürich neue Arbeiten - wahre Kleinode des Alltags.
Marcel Gähler, 42, an seinem Zeichenpult im Winterthurer Atelier.
Marcel Gähler, 42, an seinem Zeichenpult im Winterthurer Atelier.

 Zwielicht, Dämmerung, schummrige Lichtverhältnisse und Unschärfe sind die prägenden Elemente in Marcel Gählers Werken. Seine Zeichnungen und Aquarelle sind schwarz-weiss, interessiert ist er jedoch an den Grautönen. Bei all der fotorealistischen Präzision seiner Arbeiten sucht er nach dem Dazwischen, spürt er dem Unfassbaren, Mystischen nach.

Bis vor vier Jahren streifte der Winterthurer Künstler mit Kamera und Taschenlampe durch die Nacht, auf der Suche nach dem Unbeachteten: Verlassene Hinterhöfe, Schrebergärten und Hausfassaden, aber auch Dachböden oder Hotelzimmer weckten seine Aufmerksamkeit. Die Fotografien dienen dem Künstler als Vorlage. In seinem Atelier druckt er die Bilder im Kleinformat (9 × 6cm) aus und deponiert sie auf dem Zeichenpult. «Dort bleiben sie liegen, bis sie mich von ihrer Relevanz überzeugt haben», sagt Gähler. Überstehen sie den kreativen Gährungsprozess, werden sie in akribischer Genauigkeit 1:1 abgezeichnet. Seine Vorliebe für das Miniaturformat begründet Gähler so: «Es unterstützt das Geheimnisvolle und gibt den Assoziationen des Betrachters viel Raum.» Das gilt auch für seine aktuellen Arbeiten, die den Menschen wieder in den Vordergrund rücken. Unter dem Titel «Nie ist die Nacht so dunkel wie in der Kindheit» zeigt er gezeichnete Miniaturen von Szenen im Familien- und Freundeskreis. Der Arbeitsprozess ist hier um einen Schritt erweitert. Die Fotos von schlafenden oder spielenden Kindern werden per Diaprojektor an die Wand projiziert und nochmals von der Seite abgelichtet; der veränderte Blickwinkel ergibt ein Bild im Bild. Diffuse Lichtverhältnisse und gezielte Unschärfe holen beim Betrachter Erinnerungen an vergangene Zeiten aus dem inneren Halbdunkel hervor.

Galerie Römerapotheke Zürich.
30. 8.–15. 9., Mi–Fr 14–18.30 Uhr,
Sa 12–16 Uhr, Tel. 043 - 317 17 80,
Publikation CHF 48.–

www.roemerapotheke.ch

 

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