Cuno Amiet «Freude meines Lebens» Innige Freundschaft

Eduard Gerber war der grösste und konsequenteste Privatsammler der Werke von Cuno Amiet. Zum 50. Todestag des Künstlers werden die Schätze jetzt im Berner Kunstmuseum gezeigt.
Farbenexplosion: «Winterlandschaft», 1928, von Cuno Amiet.
© HO Farbenexplosion: «Winterlandschaft», 1928, von Cuno Amiet.

Entfesselte Farbenpracht, pastös mit grossen Pinselstrichen auf die Leinwand gebracht. Grosse Tupfer locker aneinandergereiht. Zarte Aquarelle, kraftvolle Zeichnungen, expressive Plastiken. Nach dem Tod von Ferdinand Hodler (1918) avancierte Cuno Amiet zum Vorzeigemaler der Schweiz. 60 Schaffensjahre und tägliches Malen machten aus ihm den produktivsten Schweizer Künstler. Auch der schmerzhafte Verlust von 51 Werken, die 1931 einem Grossband im Münchner Glaspalast zum Opfer fielen, kann diese Statistik nicht schmälern. Ohne den Münchner Brand aber wäre die legendäre Freundschaft zwischen Cuno Amiet (1886–1961) und Eduard Gerber (1917–1995) nie zustande gekommen. Der Gärtnerlehrling hatte nämlich in einer Zeitschrift von der verheerenden Feuersbrunst gelesen und machte sich 16-jährig auf, den Maler in Oschwand BE zu besuchen. Er wollte ihm durch einen Bilderkauf seine Unterstützung anbieten. Doch Gerbers gesamte Ersparnisse reichten bei Weitem nicht, um das Aquarell «Landschaft mit Bergkette» (1906) zu kaufen. Das Ehepaar Amiet gab dem Kunstbegeisterten das Werk trotzdem mit. Er könne den Rest später begleichen.

Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die bis zum Tode von Cuno Amiet dauern sollte. In dieser Zeit kaufte Eduard Gerber über hundert Arbeiten des Berner Künstlers und schuf so eine der schönsten und bedeutendsten Amiet-Sammlungen. Mit Leidenschaft und Wissen – und indem er sich das Geld vom Munde absparte. Das Besondere an der Sammlung: Sie setzt sich vorwiegend aus ausgesprochen experimentellen Werken zusammen, aus Studien, Pastellen und Aquarellen, aus skizzenhaft schnell realisierten Ölgemälden sowie aus Plastiken. Und sie zeigt eine Intimität auf, die so im «offiziell» bekannten OEuvre des Malers nicht zu finden ist. KATI MOSER

Kunstmuseum Bern bis 15. 1. 2012. Di 10–21, Mi–So 10–17 Uhr,
Tel. 031 - 328 09 44,
www.kunstmuseumbern.ch, Katalog CHF 53.–

 

 

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