«IN LIGHT» – Fotografien von Beatrice Helg Ins beste Licht gerückt

Béatrice Helg kreiert mit ihren Fotografien neue Wirklichkeiten. Schwere Materialien bringt sie zum Schweben, Perspektiven komponiert sie meisterlich. Ihr Komplize: das Licht.
Tiefgang «Profondeurs VII», 2008, 130 × 107,7 cm gross.
© Vera Hartmann Tiefgang «Profondeurs VII», 2008, 130 × 107,7 cm gross.

Ein geheimer Gang, der ins Allerheiligste führt? Vielleicht zur Kammer eines Pharaos. Oder doch ein Fluchtweg, der an der Donau endet? Die Flecken an den Wänden im Bild links deuten eher auf ein Feuchtgebiet. Wenn man glaubt, Béatrice Helg, 54, bilde die Wirklichkeit ab, ist man auf dem Holzweg. Auch dann, wenn man sich die Genferin mit Pinsel und Farbe vorstellt. Denn die zierliche Künstlerin mit den rehbraunen Augen ist eine Fotografin. Ihre Welten baut sie sich im Atelier auf.

Die Materialien zu den Werken holt sich Béatrice Helg meist auf Baustellen. «Ich gehe immer mit offenen Augen herum.» Im Atelier sehen die gesammelten Fundstücke eher wüst und blass aus. Manchmal muss die Fotografin einer Stahlplatte Leben einflössen, das heisst sie mit Säure ätzen, bis sie «explodiert» und ein Feuerwerk an Farben freigibt: Blau, Orange, Gelb und Rosttöne treten an die Oberfläche. Oder sie lässt eine Glasscheibe zuschneiden, die, zusammen mit Marmor- und Stahlplatte, die gewünschte Komposition ergibt. «Wie Bühnenbilder», erklärt die bekennende Opernliebhaberin. «Den Raum forme ich mithilfe des Lichts. Erst dann drücke ich ab.» Dort, wo in der Realität Objekte 30, 40 Zentimeter voneinander entfernt stehen, schafft Béatrice Helg mit ihrer Grossformatkamera eine unglaubliche Tiefe, eine Offenbarung. Oder sie lässt schwere Platten schweben, als ob sich diese in einem luftleeren Raum befänden, allein durch die subtile Ausleuchtung. Die pure Darstellung der Wirklichkeit hat Béatrice Helg nie gereizt. «Die Abstraktion erlaubt mir, Sachen zu thematisieren, die ich anders künstlerisch nicht umsetzen könnte.» Wie etwa die Zeit. Oder das Hier und Jetzt. Gerne spürt sie auch dem Wesen des Menschen nach. Meditativ und intuitiv. Ein Balanceakt mittels Lichteinsatz.

GALERIE EDWYNN HOUK ZUR STOCKEREGG, Zürich.
Bis 5. 3. Di–Fr 11–18, Sa 11–17 Uhr.
www.houkgallery.com

 

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