Kino: «Das Leben ist zu lang» von Dani Levy Karussell der Eitelkeiten

Mit «Das Leben ist zu lang» wagt der Basler Dani Levy eine Komödie über das Filmgeschäft. Und wie immer bei Levy ist der Film auch persönlich geprägt.
Filmreif: Regisseur Dani Levy (M.) und sein Alter Ego Alfi Seeliger (Markus Hering, r.) am Set.
Filmreif: Regisseur Dani Levy (M.) und sein Alter Ego Alfi Seeliger (Markus Hering, r.) am Set.

Die Ähnlichkeit ist frappant, Die Retrobrille, das Strubbelhaar, die Mundpartie. Beide sind Regisseure, beide um die 50, Juden, verheiratet, haben zwei Kinder. Und beide sind sie auf der Suche: Dani Levy, Filmemacher, und Alfi Seeliger, Protagonist in dessen neuer Komödie «Das Leben ist zu lang».

Alfi, mitten in einer Sinn-, Lebens- und Schaffenskrise, sucht sein Glück in der Umsetzung eines hart erarbeiteten Drehbuchs über den Mohammed-Karikaturen-Streit. Und Dani Levy? Er, der sein Alter Ego Alfi von einer Katastrophe in die nächste taumeln lässt? Wonach sucht er? «Nach einem Befreiungsschlag.» Filme seien oft ein hermetisches Produkt, eine Art Gefängnis, in dem er sich als Filmemacher nur beschränkt bewegen könne. Das Leben jedoch sei viel sprunghafter, unberechenbarer und geheimnisvoller als die Filme darüber. «Ich wollte das Rätselhafte des Lebens zeigen. Dem Zuschauer die Sicherheit nehmen, zu wissen, wohin Alfis Weg führt.»

Dass sich der Basler Dani Levy in seinen Filmen aus dem Fundus des eigenen Lebens bedient, ist nicht neu. Seit «Du mich auch», seinem ersten Film aus dem Jahre 1985, nehmen eigene Gedanken und Befindlichkeiten in Levys Drehbüchern einen zentralen Platz ein. Er habe Filmemachen nie anders verstanden, als dass man die Geschichten, die man erzählt, subjektiv und individuell durchdringt. «Einerseits ist der Film eine Liebeserklärung ans Kino. Andererseits zeigt er, in welch seltsamer Welt ich mich seit vielen Jahren bewege.»

Auch wenn er betont, dass der Film mehr persönliche als autobiografische Züge trägt, warum gibt Dani Levy so viel von sich preis? «Mir bringt das Klarheit in mein Leben. Da ich Komödien drehe, kann ich auf diese Weise über meine Schwächen lachen und Schwierigem eine neue Leichtigkeit verpassen.»

Das hat, sagt er, bei «Mein Führer» (2007) ganz gut funktioniert. Und auch bei der mehrfach prämierten Komödie «Alles auf Zucker» (2005), in der Levy seine jüdische Identität thematisierte, «gelang es mir danach, mich davon zu lösen, immer in dieser beschwerten jüdischen Vergangenheit zu schmoren». Filmemachen als eine Art Therapie? Sinnigerweise spielen Psychologen in Levys Filmen immer wieder eine tragende Rolle. Auch der gebeutelte Alfi schüttet einem Seelendoktor sein Herz aus. Dieser verschreibt dem verzweifelten Patienten kurzerhand ein «Wahrheitsserum». In homöopathischen Dosen verabreicht, bringt es Alfi der lang ersehnten Wahrheit ein gutes Stück näher.

Hätte Dani Levy selbst den Mut, sich eines solch radikalen Mittels zu bedienen? «Vermutlich nicht», gibt er zu. «Ich neige sowieso schon dazu, alles zu hinterfragen. Ein wenig Illusion muss ich mir schon noch erhalten», sagt der 53-Jährige. Sonst wäre das Leben vielleicht tatsächlich plötzlich zu lang.

Der Film 
Seit Jahren hat Alfi keinen Film mehr zustande gebracht. Nun hat er endlich wieder ein Projekt, schöpft Hoffnung und – stürzt ins Bodenlose: Seine Tochter pubertiert, seine Frau verlässt ihn, sein Drehbuch wird verstümmelt, und der Arzt diagnostiziert einen Darmkrebs. Das bringt das Fass zum Überlaufen: Alfi versucht, sich umzubringen. Nicht mal dies gelingt ihm. Doch danach scheint das Leben nicht mehr dasselbe. Im Kino.

http://www.youtube.com/watch?v=-T-Z-UXaLSQ

 

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