Franz Gertsch & Max von Mühlenen Kein bisschen müde

Franz Gertsch gehört zu den wichtigsten Exponenten der modernen Kunst. Mit seinem Fotorealismus begründete der Berner eine neue Sicht der Realität.
Poetisch: «Rüschegg», 1988/89, Holzschnitt von Franz Gertsch.
© SI Poetisch: «Rüschegg», 1988/89, Holzschnitt von Franz Gertsch.

Vor knapp zwei Monaten feierte Franz Gertsch seinen 80. Geburtstag. Kürzertreten will der international bekannte Maler aber nicht. Vier bis fünf Stunden täglich verbringt er noch in seinem grossen Atelier, einer ehemaligen Heubühne neben seinem Bauernhaus in Rüschegg BE. Seit einigen Monaten sitzt Gertsch vor einer 490 × 325 Zentimeter grossen, ungrundierten Baumwolle, auf der er bereits einen Teil seiner neuesten Arbeit, «Frühling», gemalt hat. Das Motiv gehört zu einem vierteiligen Werk über die Jahreszeiten, das er 2007 begonnen hat: «Sommer», «Herbst» und «Winter» hängen bereits in seinem Museum in Burgdorf.

Ende der 60er-Jahre entscheidet sich Franz Gertsch für die konkrete Malerei. Er arbeitet nach eigenen Schnappschüssen. Die Motive bezieht er aus seinem näheren Umfeld. Er malt auf ungrundierter Baumwolle, einem Medium, das die Farbe aufsaugt und deshalb grosses Können verlangt. Den internationalen Durchbruch schafft Gertsch 1972 an der Dokumenta in Kassel (D) mit dem Bild «Medici».

Gertschs Arbeiten sind fotorealistisch. Der Maler projiziert ein Bild auf die Malfläche, und mit kleinen, feinen Punkten reiht er Farbe an Farbe. Eine akribische und zeitintensive Arbeit. Wie die Bilder, so sind auch Gertschs grossformatige Holzdrucke einmalig. Die Technik hat der Berner verfeinert und für seine Bedürfnisse angepasst. Gedruckt wird auf Kumohadamashi-Japanpapier von Ivano Heizaburo.

In der Ausstellung «Rot & Blau» werden Werke von Franz Gertsch denen seines Lehrers Max von Mühlenen gegenübergestellt. Eine spannende Begegnung.
Museum Franz Gertsch, Burgdorf BE: Bis 5. Dezember, Mittwoch bis Freitag 10 - 18 Uhr, Samstag und Sonntag 10 - 17 Uhr.

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