Haus Konstruktiv: «ganz konkret» (Folge 2) Keineswegs kleinkariert

Neuentdeckungen, spannende Gruppen- und Einzelausstellungen, Vertiefung der Kenntnisse: Folge 2 von «ganz konkret» ist eine SINNLICHE Reise zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
Freude, ganz konkret! Direktorin Dorothea Strauss (l.) im Gespräch mit Familie Khidekel vor «Yellow Cross», 1924, von Lazar Khidekel.
Freude, ganz konkret! Direktorin Dorothea Strauss (l.) im Gespräch mit Familie Khidekel vor «Yellow Cross», 1924, von Lazar Khidekel.

Die spektakulärste Ausstellung im Haus Konstruktiv befindet sich zurzeit im vierten Stock: Hier werden zum ersten Mal in Europa die Arbeiten des russischen Suprematisten Lazar Markovich Khidekel (1904–1986) vorgestellt. Vor einem halben Jahr schaute sich dessen in New York lebender Sohn Mark mit seiner Frau Regina und Sohn Roman das Haus Konstruktiv an, denn die Familie hatte bereits viel vom Zürcher Museum gehört. Hier, im Umfeld der Konstruktivisten, sollten die Arbeiten von Lazar Khidekel dereinst gezeigt werden. Direktorin Dorothea Strauss reiste nach diesem Treffen in die USA. «Drei Tage und drei Nächte sah ich mir den Nachlass in New York an. Hunderte von Zeichnungen, Aquarellen, Skizzen, Fotografien. Ich war verblüfft über die Fülle und Qualität des vorgefundenen Materials.» Zurück in Zürich entschied sich die Ausstellungsmacherin, ein ganzes Stockwerk im Rahmen der Ausstellung «ganz konkret» Folge 2 für das wenig bekannte Œuvre des Russen bereitzustellen.

150 Werke dokumentieren nun Khidekels Arbeit. Bereits als Teenager hatte er sich der Kunstrichtung des Suprematismus verschrieben, einer von Gegenstandsbezügen befreiten Kunst, die sich auf einfachste geometrische Formen beschränkt. Der russische Suprematismus schuf übrigens eine massgebliche Grundlage für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Lazar Khidekel wurde von Grössen wie Marc Chagall, El Lissitzky oder Kasimir Malewitsch unterrichtet. Später verfolgte er als Architekt pionierhaft die Vision einer grünen Stadt. Spannend ist auch die grosse Gruppenausstellung im Haus Konstruktiv, die sich mit verschiedenen Prozessen der Umwandlung und der Veränderung beschäftigt. Gezeigt werden Werke von Andy Warhol, Victor Vasarely oder Bridget Riley. Zwei Einzelausstellungen sind unterschiedlichen Künstlern gewidmet: Die eine präsentiert Zeichnungen, Gouachen, Gemälde und Plastiken des grossen Belgiers Georges Vantongerloo. Die andere einen Werkzyklus, bestehend aus 30 «Drawings» des jungen Baslers Tobias Madison.

Haus Konstruktiv, Zürich.
Bis 30. 1. Di/Do/Fr 12–18, Mi 12–20, Sa/So 11–18 Uhr,
Tel. 044 - 217 70 80, www.hauskonstruktiv.ch

 

 

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