Marius Borgeaud in Lausanne Schlicht und einfach schön

Die Fondation de l’Hermitage in Lausanne ist eine Reise wert. Diesmal dank Werken des Waadtländer Künstlers Maruis Borgeaud.
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© Jacques D. Rouiller

Ländliche Idylle in der Bretagne. «Les joueurs de boules», 1918, von Marius Borgeaud.

Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Dies zeigt auch das Werk von Marius Borgeaud (1861–1924). In eine grossbürgerliche Waadtländer Familie hineingeboren, lebt er lange vom Erbe seines Vaters. Die Frage nach einem Beruf stellt sich nicht. Die nach der Berufung jedoch umso deutlicher, als er mit 40 Jahren die Malerei für sich entdeckt.

Er wohnt abwechselnd in Paris und in der Bretagne, wo er nach Versuchen im Stil der postimpressionistischen Malerei selbstbewusst einen eigenen Weg einschlägt. Seine realistische, manchmal naiv wirkende Bildsprache neigt zu Schlichtheit, die bevorzugten Motive sind Flusslandschaften, Stillleben, Alltagsszenen der ländlichen Bretagne und vor allem Interieurs. Ein Blick durch die Küche zeigt eine Frau beim Füttern der Hühner («La Bretonne et ses poules»). In «La chambre blanche» wartet der Frühstückstisch darauf, abgeräumt zu werden (siehe rechts), und in «Pelotes de fil» widmet er ein Gemälde einer Kiste mit verschiedenfarbigem Garn. Menschen kommen selten vor und wenn, wirken sie oft unbeweglich, wie Statisten, die zur Zierde der Umgebung platziert wurden.Marius Borgeaud entwickelt sich neben Hodler und Vallotton zu einem der angesehensten Schweizer Künstler seiner Generation. Die Retrospektive, die ihm die Fondation de l’Hermitage nun widmet, wird mit Werken von Zeitgenossen wie Pissarro, Sisley, Rousseau und Vallotton ergänzt.

Fondation de l’Hermitage Lausanne VD
Bis 25. 10., Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr, Tel. 021 320 50 01, www.fondation-hermitage.ch

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