Max Liebermann und die Schweiz Vom Dunkel ins Licht

Einst hochgeschätzt, wurde Max Liebermann lange vergessen. Nun widmet ihm das Museum Oskar Reinhart eine Retrospektive.
Familiär

«Atelier des Künstlers», 1902, Öl auf Leinwand.

Auch wenn er über Jahre in Pontresina den Sommer verbrachte, gemalt hat Max Liebermann (1847–1935) in seinen Ferien kaum. Deshalb gibt es nur wenige Skizzen, auf denen ein Schweizer Motiv zu sehen ist. Das hielt jedoch die zahlreichen hiesigen Sammler, darunter auch Oskar Reinhart aus Winterthur nicht davon ab, Gemälde von ihm zu erwerben. Was Wunder, schliesslich wurde Max Liebermann um 1910 als wichtigster deutscher Künstler gefeiert. Wer damals etwas auf sich hielt – und es sich leisten konnte, denn seine Werke wurden für Rekordpreise veräussert –, besass ein Gemälde des berühmten Malers. Oder liess sich gar von ihm porträtieren, wie der deutsche Reichspräsident Hindenburg, die Industriellengattin und Kunstsammlerin Lola Leder (Bild rechts) oder der Schweizer Bankier Adolf Jöhr. Anfangs orientierte sich der in reichen jüdischen Verhältnissen in Berlin aufgewachsene Max Liebermann an den holländischen Altmeistern, malte bäuerliche Sujets in dunkel gehaltenen Tönen: ein Mädchen beim Ziegenhüten, Bauernjungen, die Ferkel füttern, Frauen, die Netze flicken. Später setzte er sich mit dem französischen Impressionismus auseinander, Edouard Manet galt seine ganze Bewunderung. So hellten sich die Farben auf, die einfachen Leute vom Land wichen gut situierten Städtern, die durch Pärke flanieren, auf die Jagd gehen, an Stränden baden.

Sein stilistisch und thematisch vielfältiges Werk, mit dem er progressive Strömungen in Deutschland und in der Schweiz einführte, machen ihn zu einem der prominentesten Wegbereiter der Moderne. Nun zeigt das Museum Reinhart die erste Liebermann-Retrospektive in der Schweiz seit 70 Jahren. Die über 80 Werke wurden aus Schweizer Sammlungen zusammengetragen und geben einen fundierten Einblick in die Kunst eines lange vergessenen Meisters.

Museum Oskar Reinhart Winterthur ZH
Bis 19. 10., Di–So 10–17, Do 10–20 Uhr
Tel. 052 267 51 72, Publikation CHF 48.–
www.museumoskarreinhart.ch

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