Francico Sierra Spiel mit der Wirklichkeit

Meisterliches Handwerk, gemischt mit skurrilen Motiven: Manor-Preisträger Francisco Sierra ist gleich in zwei Schauen vertreten.
Der Künstler Francisco Sierra und sein Werk "The new God"
© Raja Räubli

 Francisco Sierra vor seinem Werk «The new God» im Atelier in Cotterd oberhalb des Murtensees.

Geschult hat er seine Fingerfertigkeit bereits während des Violinstudiums. Zu wahrer Meisterschaft brachte es Francisco Sierra jedoch mit dem Pinsel. Der St. Galler mit chilenischen Wurzeln bewegt sich auf dem Kunstparkett mit spielerischer Leichtigkeit. Ob surreale Märchenszenen wie «Im Park», humorvolle Miniaturen einer Wurmfamilie, schräge Stillleben wie ein im geblümten Aschenbecher liegender Joint oder hyperrealistische Farbstiftzeichnungen, etwa das Porträt eines gemeinen Ohrwurms – der 35-Jährige malt, was ihn interessiert. «Ich möchte die Möglichkeiten der Malerei ausschöpfen – dabei stellt sich die Frage nach der Wirklichkeit und ihrer Abbildung ständig.» So ist auch die neue, siebenteilige Serie «Formology of Avalon» entstanden. Den abstrakten Bildern mit dem mystischen Titel liegen Kugelschreiberzeichnungen zugrunde. Nach deren Vorbild formte Francisco Sierra kleine Tonobjekte, die er bemalte, fotografierte und mit all ihren Schattierungen in meisterlicher Präzision mit Ölfarbe auf Leinwand bannte. Solche Reliefs eröffnen Sierra eine neue Tür. Sie ermöglichen dem fantasiebegabten Maler, die Illusion einer Realität abzubilden, die er zuvor selbst geschaffen hat. Ganz in der Tradition der figurativen Ölmalerei gehalten, strahlen diese Werke trotz teils absurden Inhalten eine irritierende Ernsthaftigkeit aus. Ein reizvoller Widerspruch.

Diesen Herbst zeigen gleich zwei angesehene Institutionen Werke von Francisco Sierra. Das Kunstmuseum Solothurn legt den Fokus ganz auf sein bisher kaum ausgestelltes zeichnerisches Werk, darunter die berühmte Serie «Fleisch». Und in St. Gallen ermöglicht das Kunstmuseum dem diesjährigen Manor-Preisträger St. Gallen eine umfassende Einzelausstellung.
 

Kunstmuseum St. Gallen 15. 11. 2013–16. 2. 2014
Di–So 10–17, Mi 10–20 Uhr, Tel. 071 242 06 71
www.kunstmuseumsg.ch

Kunstmuseum Solothurn Bis 2. 2. 2014, Di–Fr 11–17
Sa/So 10–17 Uhr, Tel. 032 624 40 00
www.kunstmuseum-so.ch

Im Dezember erscheint eine umfangreiche Monografie, herausgegeben von den beiden Museen.

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