Ursula Pfister Kunst macht mobil

Kunst und Militär haben keinerlei Berührungspunkte. Oder doch? Ein Besuch der Ausstellung «mobilmachen».
Beklemmend: Ursula Pfister mitten in ihrer Installation "wohl behütet?" im Zeughaus Gelterkinden.
© Andreas Zimmermann Beklemmend: Ursula Pfister mitten in ihrer Installation "wohl behütet?" im Zeughaus Gelterkinden.

Der hohe Maschendrahtzaun rund um das stillgelegte Zeughaus in Gelterkinden BL macht deutlich: Unautorisierten Personen ist das Betreten verboten. Zurzeit herrscht jedoch geschäftiges Treiben auf dem Gelände: 23 Kunstschaffende aus der Region bespielen jene Räume, in denen bis 1996 Minenwerkzeuge, Maschinengewehre, scharfe Munition gelagert wurden. Kunst im Zeughaus? Ursula Pfister, 56, lächelt. «Zugegeben, das liegt nicht grad auf der Hand. Doch deshalb hat es mich wohl gereizt.» Die Initiantin des Projekts «mobilmachen» sitzt mitten in ihrer Installation «wohl behütet?».

188 Puppen, fein säuberlich nach Hautfarben getrennt und in Reih und Glied sitzend, strecken sich vergeblich ihre pummeligen Ärmchen entgegen. Im Abteil daneben ist die Ordnung aufgehoben, «es bilden sich kleine Gruppen, die miteinander kommunizieren». Der dritte Raum, in dem früher Minenmaterial aufbewahrt wurde, ist ganz in Gaze eingewickelt. An einer der Wände hängen über 300 kleine «Schutzengel». Assoziationen zu Kindersoldaten oder zur fremdgesteuerten Volksmasse drängen sich auf.

Die Diskrepanz zwischen Schutzbedürfnis und Ausgeliefertheit von Kindern im Krieg wird spürbar. «Im Zeughaus sind sie wohl behütet – wie aber siehts draussen aus?», kommentiert Ursula Pfister ihre Arbeit. Der Gang durchs Zeughaus zeigt: die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Militär ist äusserst vielfältig. So gestaltete Alexandra vom Endt einen Holzverschlag mit gestanzten Lochstreifen von Militärfunkern. Das durch die kleinen Löcher dringende Licht erinnert an einen filigranen Spitzenvorhang. Doch der Blick ins Innere des Raumes bricht jäh die vermeintliche Idylle: ein abgezogenes Fuchsfell baumelt von der Decke. Die friedliche Macht der Flowerpower-Generation kommt bei Irene Maag zum Tragen.

Aus farbigen Plastiksäcken webt die Künstlerin einen Blumenteppich in das Drahtgeflecht, das die Verschläge im Zeughaus voneinander abgrenzt. Spielerisch und interaktiv geht es bei «Dingsbums» von Patrick Leppert zu. Hier darf sogar geschossen werden. «Allerdings nur auf Plastikkübel. Mit Petflaschendeckeln», sagt Ursula Pfister und lacht.

Zeughaus Gelterkinden
Rünenbergerstrasse 35
4460 Gelterkinden

www.mobilmachen.ch

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