Stéphane Zaech in Zürich Kunst mit Augenzwinkern

Stéphane Zaech zitiert alte Meister, fügt zeitgenössische Sujets ein und wirft unsere SEHGEWOHNHEITEN humorvoll über Bord.
Vier Beine, drei Augen – oder umgekehrt: Stéphane Zaech, 47, inmitten seiner skurrilen Bilderwelten.
© Willy Spiller, HO Vier Beine, drei Augen – oder umgekehrt: Stéphane Zaech, 47, inmitten seiner skurrilen Bilderwelten.

Eine Frau mit vier Beinen? Warum nicht. Eine asiatische Mona Lisa? Gern. Oder eine sechsarmige Naomi Campbell, die einem Reiter eine Früchteschale anbietet? Klar. Für Stéphane Zaech, 47, gibt es auf der Leinwand keine Grenzen. Alles ist möglich. «Die künstlerische Freiheit ist mir sehr wichtig. Ich möchte mit meinen Bildern überraschen. Auch mich selbst.»

Der Waadtländer verbindet Sujets alter Meister gern mit Zeitgenössischem. So setzt er beispielsweise das klassische Künstler-Selbstporträt inklusive Farbpalette und Pinsel in ein aktuelles Umfeld: Die «Künstlerin» sitzt auf einem weissen Plastikstuhl und an zwei ihrer vier Füsse trägt sie Flipflops. Auch wenn der Maler in diesem «Selbstporträt» nicht persönlich präsent ist, so hat er sich doch versteckt darauf verewigt: die Staffelei, auf der die noch leere Leinwand lehnt, setzt sich aus den Buchstaben seines Nachnamens zusammen. Herrlich irritierend – und an Georg Kreislers Chanson «Mädchen mit den drei blauen Augen» erinnernd – sind seine mehräugigen Frauenporträts. Durch das zusätzliche Auge scheint es, als ob das Bild aus zwei verschiedenen Blickwinkeln gemalt wurde. Diese kleine Veränderung hat eine grosse Wirkung. Sofort ist der Betrachter versucht, den eigenen Blick scharf zu stellen und das Porträt gerade zu rücken.

Zaech gefallen solche Spielereien. Der Betrachter kann in den opulenten Ölbildern auch mehr oder weniger gut verborgene Zitate von Gemälden alter Meister wie Tizian, Velásquez oder auch Picasso entdecken. Neben den Figuren interessiert sich Stéphane Zaech auch für den Bildaufbau und die Landschaften, in die er seine dubiosen Gestalten setzt. So erinnert der Hintergrund von «Mille lis», Zaechs Version der Mona Lisa, sowohl an den des Originals von da Vinci wie auch an klassische japanische Tuschzeichnungen. Stéphane Zaech kombiniert virtuos, was nicht zusammenpasst, und schafft damit eine eigene, skurrile Bilderwelt.

Galerie Katz Contemporary Zürich
Di–Fr 11–18, Sa 12–16 Uhr
Tel. 044 212 22 00
Publ. CHF 24.–
www.katzcontemporary.com

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