Carmen Perrin, Malerin, Bildhauerin... Kunst mit Tiefenwirkung

Die Genferin Carmen Perrin zeigt in Basel FASZINIERENDE Arbeiten. Farben, Löcher und Objekte spielen dabei die Hauptrolle.
Berühmter Pate: Carmen Perrin vor ihrem Werk «Fossile, Un buisson», das sich an das weltbekannte Werk «Der Garten der Lüste» von Hieronymus Bosch anlehnt.
© © Willy Spiller, Zurich, Switzerland Berühmter Pate: Carmen Perrin vor ihrem Werk «Fossile, Un buisson», das sich an das weltbekannte Werk «Der Garten der Lüste» von Hieronymus Bosch anlehnt.

Carmen Perrin, 59, ist Bildhauerin, Objektkünstlerin. Die Genferin mit bolivianischen Wurzeln kam im Alter von sieben Jahren in die Schweiz, die Heimat ihres Vaters. Seit 35 Jahren kehrt sie immer wieder nach Bolivien zurück, wo sie auch auf einem Weihnachtsmarkt die Inspiration zu ihrer jüngsten Arbeit, «Fossile, Les envahisseurs», fand. Mangels Geld werden den Kindern dort zum Fest der Liebe Abziehbilder geschenkt, mit den Konterfeis von Mickey Mouse, Jesus, Muttergottes oder Batman.

Diese Figuren, die sich längst durch Werbung, Bücher und Filme in unseren Alltag eingeschlichen haben, fügt Carmen Perrin zu einer Collage zusammen, die sie dreissig Mal auf Plastikblätter drucken lässt. Diese werden später aufeinandergelegt. Doch zuvor stanzt die Künstlerin in jedes Blatt verschieden grosse Löcher: Beim ersten sind es 6 cm, beim zweiten 5,8 cm, beim dritten noch kleiner und so weiter bis zum hintersten Blatt. Im letzten Schritt legt sie alle dreissig Plastikblätter übereinander, so entstehen unzählige, konische Vertiefungen. Die ursprüngliche Collage ist als Ganzes nicht mehr identifizierbar. Neu entstanden ist dafür ein farbintensives, abstraktes Wandobjekt, bei dem einzelne Fragmente ins Auge springen, während die vielen Löcher scheinbar ins Unendliche führen.

Die Wandinstallation «Entrer dehors, sortir dedans» entstand als Hommage an den Architekten Bruno Taut und ist in der gleichen Stanztechnik entstanden. Dank einem Atelierstipendium von Landis & Gyr verbrachte Carmen Perrin Anfang Jahr sechs Monate in Berlin. «Acht Wochen lang bin ich zehn Stunden pro Tag nur herumgelaufen», erinnert sich die Künstlerin. Dabei sei sie auf die bunte Architektur des Deutschen gestossen, der in den 1920er- und 1930er-Jahren mit Sozialbausiedlungen wie der Hufeisensiedlung Berlin-Britz Aufsehen erregte. Besonders interessant: Die «Stanzabfälle» dieses Werkes hat sie zu weiteren kleineren Objekten verarbeitet. 

Galerie Gisèle Linder Basel
Bis 15. 12. Di–Fr 14–18.30, Sa 10–16 Uhr
Tel. 061 272 83 77
www.galerielinder.ch

 

Auch interessant