«WOLS – Das grosse Mysterium» Bitte Augen schliessen!

«WOLS – Das grosse Mysterium» gibt einen spannenden Einblick in das Werk des Protagonisten der informellen Kunst.
Luftschloss
© HO

«Verlangen nach Freiheit», um 1942. Aquarell, Tuschfeder auf Papier (M.).

Sehen heisst die Augen schliessen», oder «Wirklichkeit ist das, was man mit geschlossenen Augen sieht». Was für Sätze von einem Maler und Fotografen! Wols oder Wolfgang Otto Schulze (1913–1951), wie der deutsche Künstler mit vollem Namen heisst, hat seine Weltsicht oft in Aphorismen wie diesen festgehalten. Der gebürtige Berliner ist nur 38 Jahre alt geworden, doch er hat einen Teil zur deutsch-französischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts beigetragen. Angefangen hat Wols, der heute als Protagonist der informellen Kunst gilt, mit Fotografie. Im Paris der 1930er-Jahre macht er mit aufsehenerregenden Modeaufnahmen von sich reden. Aber auch gewöhnliche Strassenszenen wie schlafende Clochards, zerfledderte Plakatwände oder Lattenzäune hält Wols fotografisch fest. Einige seiner Porträts zeigen Personen mit geschlossenen Augen. Mit zwei auf einem Paisley-Stoff liegenden Nieren und dem Bild eines gehäuteten Hasen beginnt Wols’ surrealistische Phase, die sich in seinen Tuschzeichnungen weiterentwickelt. Bei diesen Werken lohnt es, die Lupe zur Hand zu nehmen (wird zur Verfügung gestellt). Sie sind enorm detailreich. Oft sind darauf Schiffe zu sehen, zertrümmert, beladen, mit Kapitän oder ohne, Wasser ist kaum zu sehen. Oder aufgetürmte Häuser, Festungen im luftleeren Raum. Wols, der zwei Jahre in französischer Kriegsgefangenschaft war, gibt ihnen bezeichnende Titel wie «Verlangen nach Freiheit» oder «Geisterstadt». Das Museum Liner zeigt mit «Wols, das grosse Mysterium» über hundert Fotografien, Druckgrafiken, Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde und gibt damit einen Einblick in ein OEuvre, das solitär und zukunftweisend zugleich ist. Er wollte etwas Einzigartiges schaffen und festhalten, denn «in jedem Moment steckt Ewigkeit». 

Museum Liner Appenzell
Bis 28. 9., Di–Fr 10–12, 14–17, Sa/So 11–17 Uhr
Tel. 071 788 18 00, Publikation CHF 38.–
www.museumliner.ch

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