Odilon Redon Geheimnisvolle Fabelwelt in der Fondation Beyeler

Wie vielseitig das Werk von Odilon Redon ist, zeigt eindrücklich die aktuelle Retrospektive in der Fondation Beyeler in Riehen BS.
Träumende Schönheit «Ophelia»

Träumende Schönheit «Ophelia», 1900-1905, Pastel auf Papier.

Die Realität? Pah! Viel faszinierender fand Odilon Redon (1840 bis 1916) das Leben jenseits des Sichtbaren: Träume, Fantasien, die Welt der Mythen und Fabelwesen, konsequenterweise sogar die Geheimnisse, die die Wissenschaft unter dem Mikroskop entdeckte. Die Werke des französischen Symbolisten sind ebenso bevölkert von Zyklopen, Spinnen und Drachen wie von himmlischen Geschöpfen, Heiligenfiguren oder Mischwesen. Sein rätselhaftes Œuvre ist geprägt von Gegensätzen.

Darauf baut auch die Retrospektive in der Fondation Beyeler. Den Auftakt der Schau machen fünf grosse Dekorationstafeln, die der Maler für ein Schloss im Burgund gestaltete. In Form und Motiv erinnern die Panele ein wenig an japanische Tuschzeichnungen, die damals en vogue waren: einzelne Zweige mit Blättern und Blütenknospen, ein Baum ganz in gelbes Licht getaucht, ein paar verstreute Blüten im freien Raum.

Die folgenden drei Räume sind dem Frühwerk gewidmet. Von 1870 bis 1890 schafft Odilon Redon fast ausschliesslich Kohlearbeiten und Lithografien. Die Motive dieser surrealistisch anmutenden «Noirs» sind meist unheimlich. So lösen die in abgedunkelten Räumen hängenden Werke von schwarzen Sonnen, schwebenden Köpfen oder grinsenden Spinnen beim Betrachter ein fast metaphysisches Gruseln aus.

Ab 1890 bricht die Farbe in Odilon Redons Bildern beinah eruptiv hervor. Der Kohlestift weicht der Intensität von Pastell und Öl. Der Maler vereint nun Imagination mit Naturbeobachtungen, und die intensive Farbgebung nimmt Werken wie «Der Zyklop» (rechts) das Düstere. Eine wahre Farbexplosion dann im Saal mit den Blumenstillleben. Passend prangt hier das Zitat des Malers über dieser Ode an das Leben und die Farben: «Die Kunst ist gleich einer Blüte, die sich ausserhalb aller Regeln frei entfaltet.»

Die Schau vereint berühmte wie selten gezeigte Meisterwerke, die aus namhaften internationalen Museen stammen.

Fondation Beyeler Riehen BS
Bis 18.5., täglich 10-18 Uhr, Mi 10-20 Uhr 
Tel. 061 645 97 00, Publ. CHF 62.50
www.fondationbeyeler.ch 

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