Kristof Kinetra in Basel Kunstausverkauf

Der tschechische Künstler Kristof Kinetra zeigt seine neusten Skulpturen – Spielfreude und Gesellschaftskritik inklusive.
Kristof Kinetra in Basel

Und sie bewegt sich doch «Nervous Trees», 2013, von Kristof Kintera.

Eine gehörige Portion Ironie, eine Hand voll Schalk und eine Prise düsterer Witz, das sind die Zutaten, aus denen Kristof Kintera, 41, seine bild- und aussagestarken Kunstwerke mixt. Das Museum Tinguely widmet dem tschechischen Künstler diesen Sommer eine Soloschau, an der der Basler Bildhauer Jean Tinguely (1925–1991) seine Freude gehabt hätte.

Nicht nur haben beide Künstler eine Vorliebe für alltägliche, achtlos weggeworfene Materialien. Auch dem Credo von Tinguely «Es bewegt sich alles, Stillstand gibt es nicht» wird die Ausstellung gerecht. Es rattert und knarrt, zittert, zischt und blinkt, kaum hat der Besucher die Haupthalle des Museums betreten. Was allerdings nur über Umwege möglich ist. Pfeile weisen dem überraschten Publikum den Weg in eine Boutique. Billige Taschenimitate und günstige Fummel werden zu Ausverkaufspreisen verschleudert. Was soll das? Da plötzlich fragt ein blechernes Stimmchen: «Hey, du, bist du zufrieden mit deinem Leben?» Ein gesichtsloser mechanischer Gnom mit Kapuzenjacke steht wie eine zu klein geratene Schaufensterpuppe zwischen den Gängen, winkt mit den Armen und lässt die Frage im Raum verhallen.

Willkommen in der Welt des Kristof Kintera, in der Kunst und Kommerz, Witz und Ernst, Spielfreude und Gesellschaftskritik nah beieinanderliegen. Hell erstrahlt «My Light Is Your Life», ein riesiger Golem aus Hunderten Glühbirnen, den Hauptraum des Museums. Kinteras lakonischer Kommentar dazu: «Die Skulptur kann auch als Heizung verwendet werden.» Unser übertriebenes Sicherheitsdenken persifliert der Künstler mit einem panzerähnlichen Kinderwagen. Das Objekt «It» ist eine Mischung aus Ei und Computermaus und kann vom Publikum an einer Schnur durch die Ausstellungsräume gezogen werden. Die zitternden Bäume mit einer Weltkugel als Kopf, «Nervous Trees», sind ebenso ästhetisch wie beunruhigend. Und nicht zuletzt seine 3-D-«Zeichnungen» aus Plastilin bewirken neben einem befremdlichen Gefühl auch ein Lächeln. 

Museum Tinguely Basel
Bis 28. 9., Di–So 11–18 Uhr
Tel. 061 681 93 20, Publikation CHF 68.–
www.tinguely.ch

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