«Manon - Reise nach Sibirien» im Kunsthaus Interlaken Rebellin im Kunsthaus

Die Grande Dame der Schweizer Kunstszene zeigt in Interlaken Bekanntes und viel Neues. Manons Werk bleibt auch nach 40 Jahren spannend.
Grande Dame
© Kurt Reichenbach

Star der Schweizer Avantgarde. Manon mit Hundedame Maxie vor Bildern aus der Serie «Elektrokardiogramm 303/304», 1979/2011.

Das Schachbrettmuster des Bodenbelags – von Manon minutiös ausgewählt – fokussiert den Blick auf die übers Eck gehängten Fotografien aus der «Elektrokardiogramm»-Serie von 1979/2011. Der Auftakt ist überraschend, die erste Installation eine perfekte Kombination aus Altbekanntem und Neuinszeniertem. Auf die junge Manon wird man bereits 1974 aufmerksam, als sie in der Zürcher Galerie Li Tobler «Das lachsfarbene Boudoir» ausstellt. Im Klartext: ihr eigenes Schlafzimmer. Die installative – und sehr intime – Arbeit empört, macht jedoch Manon, 68, zur ersten und vielleicht bekanntesten Performance-Künstlerin der Schweiz. In Paris rasiert sie sich den Schädel kahl, in Zürich stellt sie Männer im Schaufenster einer ehemaligen Metzgerei aus. Die 70er-Jahre waren wild, Manon eine Rebellin und bekennende Feministin. Für die Anliegen der Frauen steht sie immer noch ein, ihr «feu sacré» lodert auf kleinerer Flamme.

Im zweiten Obergeschoss des Kunsthauses werden Bilder aus der viel gepriesenen Fotoserie «Einst war sie Miss Rimini», 2003, gezeigt. «Ich habe mir die Frage gestellt, was wohl aus der einstigen Miss Rimini geworden ist, und mir 50 Antworten gegeben», erklärt die zierliche Frau mit der Pagenfrisur und der dunklen Sonnenbrille. 50 mögliche Lebensläufe – von der Diva bis zur krebskranken Patientin.

Für die Ausstellung in Interlaken sind einige bemerkenswerte Arbeiten entstanden, so etwa die installative Lightbox «Lippen» (r.) oder die Installationen «Die chinesische Geliebte» und «Reise nach Sibirien». Letztere, die der Schau den Namen gibt, ist ein steriler weisser Kubus aus Fliesenlaminat, innen gekühlt, mit acht schwarzen Stühlen. Eine Frauenstimme erinnert alle 15 Sekunden an die Zeit, die verrinnt. Es ist ein unangenehmer Ort, der berührt und frösteln lässt. «Sibirien ist das grosse Unbekannte», sagt Manon und zeigt in diesem grossartigen Werk auf, was sie in den letzten Jahren beschäftigt: die Vergänglichkeit des Menschen.

Kunsthaus Interlaken BE
Bis 3. 5. Mi–Sa 15–18, So 11–17 Uhr, Tel. 033 822 16 61, www.kunsthaus interlaken.ch, Führungen jeweils So 11 Uhr

 
 
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