«Rodin. Zufall und Willkür» in Genf Skandale & Unverständnis

Auguste Rodin revolutionierte die Bildhauerei, indem er das Prinzip Zufall einbaute. Eine eindrückliche Schau in Genf.
Grossartige Werke von Auguste Rodin
© MAH

«Victor Hugo, Buste héroïque», 1896.

Auguste Rodin gilt als Vordenker, Erneuerer und Begründer der modernen Plastik und Skulptur. Der Franzose war seiner Zeit voraus. Unverständnis und Häme schlugen ihm heftig entgegen, obwohl sich seine Arbeit an der griechischen Antike orientierte und an den Meisterwerken Michelangelos. Doch Auguste Rodin (1840– 1917) widersetzte sich dem vorherrschenden idealisierenden Akademismus und versuchte sich in neuen Darstellungsformen. Dazu gehörte die Anerkennung des Zufalls. Ein Beispiel hierfür: Geht während des Arbeitsprozesses ein Arm der Skulptur kaputt, wird dieser nicht ersetzt. Im Gegenteil. Für Rodin erhält das Werk durch den plötzlichen «Unfall» eine neue Dimension.

Die Schau in Genf ist rund um die Bronzeskulptur «La Muse tragique» entstanden (Bild oben rechts), welche die Thematik des Willkürlichen und Zufälligen am besten veranschaulicht. Das Werk – Teil des «Denkmals für Victor Hugo» – wurde erstmals 1897 in einer Gipsfassung im Musée Rath in Genf gezeigt und löste eine Welle der Entrüstung aus: Es war unvollständig (ein Loch unter dem linken Arm) und entstellt (vor allem im Gesicht). Zudem besass es weder die glatte Oberfläche noch die ausgeglichenen Züge, die für die damaligen Plastiken typisch waren. Aus den eigenen Beständen und dank zahlreichen Leihgaben konnte eine umfangreiche Schau zusammengestellt werden. Nebst Plastiken, ausgewählten Zeichnungen und Aquarellen sowie Fotografien von Auguste Rodin zeigt die Ausstellung auch Werke von Edgar Degas, Paul Claudel und Henri Matisse.

Musée d’art et d’histoire Genf
Bis 28. 9. Di–So 11–18 Uhr
Tel. 022 418 26 00, www.mah-geneve.ch
Katalog CHF 55.–

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