Valentin Hauri: «No place but the one» Magie des Augenblicks

Valentin Hauri ist KONZEPTKÜNSTLER. Seine abstrakte Malerei fasziniert die Betrachter jedoch auch ganz ohne Erklärung.
Grosse Werkschau: Valentin Hauri zeigt in Schaffhausen 37 Ölbilder und 15 Tuschzeichnungen.
Grosse Werkschau: Valentin Hauri zeigt in Schaffhausen 37 Ölbilder und 15 Tuschzeichnungen.

Amorphe Formen, Verästelungen, gerade Linien, Zeichen, die an Buchstaben erinnern: Valentin Hauris Werk ist vielfältig, wenn auch stets auf das Wesentliche reduziert. Auch in den Bildformaten – fünf im Ganzen – hat sich der in Baden geborener Wahlzürcher eine Regel auferlegt: Die Bildmasse müssen im Verhältnis zehn zu neun stehen. Dies sei ihm bei englischen Porträtmalern aufgefallen, damals, als er sich 1994 ein Jahr lang im Londoner Atelier der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr aufhielt.

«Dort habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt, das Malen ganz aufzugeben.» Stattdessen begann Valentin Hauri, 58, ausschliesslich in Alla-Prima-Technik zu arbeiten, das heisst, das Bild in einem einzigen Zug zu malen, ohne spätere Veränderungen. Die Fehlerquelle ist entsprechend gross. Nur eine von zehn Arbeiten landet dabei nicht im Kübel.

Vier Jahre nach London stösst Valentin Hauri – der in den 70er- und 80er-Jahren zu den Jungen Wilden zählte – auf die Art brut, und sein OEuvre nimmt eine neue Wendung. Auslöser ist ein Werkkatalog der Sammlung Prinzhorn, den der Künstler während seines Aufenthaltes im Pariser Atelier der Stadt Zürich entdeckt. Es handelt sich um Zeichnungen von psychisch kranken Menschen, die der deutsche Kunsthistoriker und Psychiater Hans Prinzhorn (1886–1933) aus Heidelberg gesammelt hatte. Die Faszination für die Arbeiten dieser Outsider, denen auch Maler wie Max Ernst, Alfred Kubin oder Georg Baselitz erlagen, hält seitdem ungebrochen an. Die Heidelberger Sammlung bleibt für den Zürcher eine dauernde Quelle der Inspiration.

Valentin Hauri bespannt seine Rahmen selbst. Mit Baumwolle, der er eine fünffache weisse Grundierung verpasst. Nach jeder Schicht wird die Leinwand mit Schmirgelpapier glatt gerieben. Diese Arbeit sei sehr meditativ und stehe im Gegensatz zum gemalten Bild, das zwar höchste Konzentration erfordere, aber von der Magie des Augenblicks durchdrungen sei.

Museum zu Allerheiligen Schaffhausen
Bis 27. 1. 2013, Di–So 11–17,
Tel. 052 633 07 77,
www.allerheiligen.ch,
Katalog CHF 48.–

 

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