Rosina Kuhn Malen bis zum Umfallen - im Gluri Suter Huus in Wettingen AG

Rosina Kuhn, die Grande Dame unter den Schweizer Malerinnen, zeigt 90 neue Monotypien: frisch, aktuell und farbenfroh.
Rosina Kuhn vor ihrem neuen Zyklus
© Willy Spiller

Auf den Spuren Tiepolos, Rosina Kuhn vor ihrem neuen Zyklus «Die Venezianischen Himmel».

Rosina Kuhn tänzelt durch ihre Wohnung, sucht das richtige Outfit für unseren Fototermin, bindet sich die hellrosa Federwolke um und setzt sich erwartungsvoll. Lange kann sie nicht ruhig sitzen, es wartet noch einiges auf sie, bevor sie wieder einmal nach Los Angeles fliegt zu ihrem Sohn Cyril. «Maler in der dritten Generation», verkündet die 73-Jährige stolz. Einen Monat wird sie bleiben, auf die Katze aufpassen … und arbeiten.

Landschaften und Porträts gehören zu den Lieblingssujets der Zürcherin. Naturstudien aus dem Tessin, Stadtlandschaften aus Los Angeles. Und Menschen. Für Rosina Kuhn steht fest: «Der Mensch in seinem Wesen ist besser als sein gesellschaftliches Abbild. Wir sind alle Kinder des Paradieses.» Diese Aussage liefert auch den Titel der grossen Ausstellung «Les Enfants du Paradis» im Gluri Suter Huus, wo 90 Monotypien aus den Jahren 2003 bis 2013 gezeigt werden.

Das Wort Monotypie besagt schon fast alles: Anders als beim Steindruck oder Stich, wo beliebig viele Abzüge gezogen werden können, wird bei diesem Druckverfahren ein einziges Blatt erstellt, ein Unikat. Die Künstlerin muss flink arbeiten, die Farben trocknen schnell ein. «Ich liebe dieses spontane Malen, das auch Fehler zulässt», sagt Rosina Kuhn. Ihre hellen Augen glänzen vor Begeisterung. «Das Papier muss feucht sein, nur so bekommen die Farben dieses herrliche Strahlen.» Manchmal arbeitet sie bis zur Erschöpfung. «Ich bin in allem masslos.»

Rosina Kuhn stammt aus einer Künstlerfamilie: Mutter Lissy Funk war Bildteppichkünstlerin, Vater Adolf Maler. «Als Kind hat er mir die Farben erklärt. In Venedig vor einem Werk von Tiepolo.» Mehr als 60 Jahren später, 2011, ist Rosina Kuhn erneut in der Stadt der Dogen. Auf Einladung der Fondazione Castelforte, zur Ehrung ihres Lebenswerkes. In den sechs Monaten ihres Aufenthaltes arbeitet sie wie besessen. Wie damals steht sie vor den Deckenfresken des Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770), einem der bedeutendsten venezianischen Maler seiner Zeit. Sie saugt die Gemälde in sich auf und transponiert sie auf grosse Leinwände mit viel Himmel und «etwas Personal, das herumschwirrt». Eine gelungene Serie (siehe grosses Bild), brillant in den Farben, luftig in der Komposition. Getreu ihrem Lebenswerk – nie abstrakt, aber wohltuend befreiend.

Gluri Suter Huus Wettingen AG
Bis 4. 5. Mi–Sa 15–18, So 11–17 Uhr
www.glurisuterhuus.ch

Galerie Burgerstocker Zürich
Vom 8. bis 22. 5. «Venezianische Himmel»
www.burgerstocker.com

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