Kira Speiser Malende Waldfee

Die Zürcherin Kira Speiser, 39, zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung LANDSCHAFTEN. Ganz ohne Menschen, dafür mit viel Licht und Tiefe.

Betrachtet man ihre neuesten Bilder aus der Distanz, erkennt man Landschaften, Wälder, einzelne Baumgruppen, verschneite Dörfer. Alles sehr deutlich. Gemalt in der Art, wie die Impressionisten es liebten: lichtdurchflutet und mit expressiven Pinselstrichen. Von nahe betrachtet, lösen sich die Konturen auf. Farbkleckse schweben wie Girlanden, Pigmente vermischen sich untereinander. «Ich male wie Jackson Pollock», sagt Kira Speiser, 39, und fügt schnell hinzu: «Natürlich nicht in der gleichen Liga.»

Wie der grosse US-amerikanische Künstler, Begründer des Action-Paintings, beginnt auch die Zürcherin intuitiv zu malen. Leert Farbe auf den am Boden liegenden Bildträger. Verteilt sie mit Schwamm und Tüchern. Lässt Farbe aus Pinseln tropfen und Perlen entstehen. Spritzt frech hier, verwischt mutig dort. Mit dem Spachtel setzt sie Akzente. Wo bei anderen das Bild fertig wäre, beginnt Kira Speiser nun verschiedene Elemente herauszuarbeiten: einen geheimnisvollen Waldweg. Eine knutschblaue Landschaft, wo Himmel und Wasser um die Wette leuchten. Einen sonnendurchfluteten Wald.

«Meine Themen hole ich immer aus meiner Umgebung. Der Wald liegt in der Nähe, die Idee zum Bild mit Meer und Wolken stammt aus Dänemark, der Heimat meiner Mutter.» Nie bedient sich Kira Speiser einer fremden Abbildung. Eigene Fotografien und Skizzen dienen ihr als Ausgangspunkt. Variationen vom Thema durchziehen die Werke, die nebst Landschaften auch zahlreiche urbane Motive aus früheren Schaffensperioden aufweisen. Seit sieben Jahren wohnt Kira Speiser mit ihrem amerikanischen Ehemann und den beiden Kindern Henry und Agnes in Uetikon am See ZH. Da sich das Atelier gleich im Haus befindet, kann die Malerin jede freie Minute nutzen. Zwischen fünf und sechs Stunden arbeitet sie täglich.

Kira Speiser malt auf Aluminiumplatten. Seit ihrer Ausbildung an der Byam Shaw School of Art in London. Leinwand hat sie nie gemocht, Holz war ihr ebenfalls zu weich. Sie experimentierte, bis sie auf das harte Material stiess. Malen tut die Künstlerin mit einem auf Terpentinbasis hergestellten pigmentierten Öl. Dünnflüssig, was ihr die zahlreichen Manipulationen erlaubt. Zusätzliche Leuchtkraft ins Bild zaubert Kira Speiser durch das gelegentliche Wegkratzen von Farbe. Oder das direkte Ritzen in die Aluminiumplatte. Je nach Lichteinfall blitzt dann das Metall geheimnisvoll auf.

Galerie Wehrli, Zürich
Bis 15. 1. 2011: Di–Fr 14–18, Sa 11–16 Uhr.
Geschlossen: 21. 12. bis 3. 1.
Tel. 044 - 715 01 20
www.galeriewehrli.ch

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