Hermann Hesse: Grosse Ausstellung in Bern Maler des Paradieses

Das Malen wird dem Literatur-Nobelpreisträger Hermann Hesse nicht in die Wiege gelegt. Erst eine psychische Krise bringt sein Talent ans Licht. Im Tessin blüht es vollends auf.
Leuchtend: Die strahlenden Tessiner Landschaften faszinierten nicht nur den Dichter Hesse.
© Fondazione Hermann Hesse, Montagnola Leuchtend: Die strahlenden Tessiner Landschaften faszinierten nicht nur den Dichter Hesse.

Die Farben sind intensiv, kraftvoll. Das Licht des Südens durchdringt die Landschaft und wärmt das Herz des Betrachters. Blumen, Wiesen, Dörfer, Weinberge gehören zum Repertoire von Hermann Hesse. Der 1877 in Calw, Württemberg, geborene Schriftsteller und Maler liess sich 1919 in Montagnola TI nieder, wo er bis zu seinem Tode 1962 wohnt.

Die Werke des «Malers des Paradieses», wie Hesse später auch genannt wird, wirken zu Beginn ganz anders. Es sind Selbstbildnisse im Stil der Art brut: Die «Traumzeichnungen» entstehen während einer längeren Psychotherapie. Vor hundert Jahren kam Hermann Hesse mit seiner Familie nach Bern. In seiner deutschen Heimat galt er als «Vaterlandsverräter» wegen seiner kategorischen Ablehnung des Ersten Weltkrieges. In der Familie kriselte es, 1916 starb sein Vater. Diese Umstände stürzen den Literaten in eine tiefe Krise. Er sucht in einer Psychotherapie Hilfe. Parallel dazu entstehen seine ersten Malversuche. «Aus der Trübsal, die unerträglich wurde, fand ich einen Ausweg für mich, indem ich, was ich nie im Leben getrieben hatte, anfing zu zeichnen und zu malen», schreibt Hesse später.

Die Malerei rettet ihn. Dank vielen tausend Aquarellen von der Tessiner Landschaft überwindet Hermann Hesse gar manche Schreibkrise, aber auch Verzweiflung und Lebensmüdigkeit. «Als Dichter wäre ich ohne das Malen nicht so weit gekommen», bekennt er 1924 freimütig.

Fünfzig Jahre nach seinem Tod widmet ihm jetzt die Stadt Bern, in der er mit dem Malen angefangen hat, die Ausstellung: «… Grenzen überfliegen». Viele seiner Werke sind hier zum ersten Mal zu sehen. Geboten wird auch ein reiches Rahmenprogramm. Mit dem Literatur-Nobelpreisträger und Künstler beschäftigen sich übrigens auch die 13. Silser Hesse-Tage. 

KUNSTMUSEUM, Bern.
Bis 12. 8. Di 10–21, Mi–So 10–17 Uhr, Tel. 031 - 328 09 66,
www.kunstmuseumbern.ch, Katalog CHF 20.–.
Silser Hesse-Tage 14.–17. 6., Tel. 081 – 838 50 59,
www.sils.ch

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