Manor Kunstpreis 2013 Scharf gestellter Blick

Neugierig. Witzig. Ausgezeichnet. Die Zürcherin Alexandra Navratil sucht in Film- und Fotoarchiven ihr Material. Und komponiert daraus Werke mit neuem Leben.
Manor Kunstpreis: Alexandra Navratil
© Raja Läubli

Noch bevor die Besucher ein Werk zu sehen bekommen, ist etwas davon zu hören. Im Parterre des Kunstmuseums Winterthur surrt, rattert und klickt es. Es sind die charakteristischen Geräusche von Film- und Diaprojektoren, einem festen Bestandteil von Alexandra Navratils Arbeiten.

Die 35-jährige Manor-Preisträgerin ist keine Videokünstlerin im herkömmlichen Sinn, auch wenn sie vornehmlich mit dem Medium Film arbeitet. Historisches Material weckt ihr Interesse ebenso wie die unterschiedliche Kameraführung oder die Entwicklungsgeschichte des Films. Auch die verschiedenen Materialien, die zum Medium gehören, faszinieren die Zürcherin und finden so Eingang in ihre Werke. In «Sample Frames» zeigen vier Projektoren Dias aus alten Musterbüchern von Kodak. Einerseits sind auf den verschieden belichteten Dias Landschaften in unterschiedlichem Licht zu sehen. Anderseits ist die Arbeit ein Zeitdokument einer heute veralteten Technik.

Alexandra Navratil durchforstet bei ihren Recherchen Foto- und Filmarchive in der ganzen Welt auf der Suche nach Aussergewöhnlichem. Das kann auch einen banalen Ursprung haben wie bei «Modern Magic». Dieses Werk zeigt Aufnahmen aus einer Fachzeitschrift, in der die verschiedensten Produkte abgebildet sind. Immer ist eine Hand zu sehen, die das Objekt – eine Schale, ein Spielzeug, einen Verschluss – in die Kamera hält. «Plastik wurde damals als Triumph über die Natur gefeiert und präsentiert wie ein geheimnisvoller Zaubertrick.» Zauberhaft ist das historische Video zweier japanischer Frauen beim Anziehen des Kimonos. Der eindrückliche Gegensatz zur alltäglichen Materialität dieser Schau: die futuristisch angelegte, digitale 3-D-Animation «Untitled». Sie führt durch ein menschenleeres Einkaufszentrum, dessen standardisierte Architektur reibungslosen Konsum ermöglichen soll. 

Kunstmuseum Winterthur ZH
Bis 8. 12., Di 10 - 20 Uhr, Mi - So 10 - 17 Uhr
Tel. 052 267 51 62, Publ. CHF 25.–
 

 
 
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